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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 277 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Akustik in Hoftheatern des 17. und 18. Jahrhunderts 277 3.4 Hufeisen und gekapptes Oval Die beliebteste Form für die bereits im 18.  Jahrhundert vereinzelt sehr großen Theater war das gekappte Oval oder der hufeisenförmige Grundriss mit zur Bühne hin sich annähernden, gestreckten Seitenwänden. Die beiden Formen werden in den Beschrei- bungen nicht immer klar unterschieden. Das Oval wird in verschiedenen theoretischen Schriften besonders gelobt, nun in der Annahme, dass die darin ungehinderte Ausbrei- tung der Stimme eine gute Akustik garantiere.23 In der praktischen Umsetzung führt je- doch die Verbindung zwischen Saal und Guckkastenbühne zu Problemen, da ein großes gekapptes Oval leicht zu einer unpraktisch breiten Bühnenöffnung führt.24 Der Grundriss des Theaters im Schloss Schönbrunn in Wien entspricht genau einem gekappten Oval. Diese elegante Form ist für ein kleines Schlosstheater ungewöhnlich, aber dank der geringen Dimensionen bot der Bühnenanschluss kein Problem: das Thea- ter ist von der Brüstung der Kaiserloge bis zur Bühne nur 13  m lang und das Oval ist so gekappt, dass sich ohne Proszenium eine Bühnenöffnung von damals üblicher Breite von 10,60  m ergibt (das ist 1,10  m breiter als im Alten Burgtheater).25 An der breitesten Stelle zwischen den Brüstungen misst das Theater 13  m, zwischen den Saalwänden 15,60  m. Es ist 13  m hoch und hat 408 Plätze. Das Theater hat nur eine Galerie und im heute wieder hergestellten Zustand von 1767 darüber eine Reihe kleiner Balkone als Andeutung eines 2. Rangs. Wie in den hufeisenförmigen Theatern befinden sich die akustisch besten Plätze am Ende des Ovals und in der hier im 1. Rang liegenden el- liptischen Kaiserloge (siehe Abbildung 1.4 oben).26 Der Architekt des 1747 eröffneten Theaters, Nikolaus Pacassi (1716–1790), der auch für andere Bauten des Wiener Hofs verantwortlich war, wurde auch Berater bei der Planung des Teatro alla Scala (1778). 1737 galt das von Antonio Medrano (1703–1760) und Angelo Carasale (gest. 1742) errichtete und seither mehrmals renovierte Teatro San Carlo in Neapel als das größte Hoflogentheater seiner Zeit. Es hat sechs Ränge und ist mit 22,50  m an der breitesten Stelle gleich breit wie hoch und mit 25,00  m 2,50  m länger als breit. Das Saalvolumen beträgt 12.375  m3, die Nachhallzeit heute 1,25–1,05 sec für 500–1000  Hz.27 1751 ver- fügte das Theater über 2550 Sitzplätze, welche im 20.  Jahrhundert aus feuerpolizeilichen Gründen auf 1414 reduziert wurden. Das 1778 von Kaiserin Maria Theresia eröffnete Teatro alla Scala in Mailand, ein hufeisenförmiges Logentheater mit sechs Rängen, welches 22  m lang, 21,50  m breit 23 Tamburini 1984, S.  17–18, insbes. Anm. 23. 24 Leacroft, S.  86 und fig. 132: Bemerkung zum Theater von Cosimo Morelli in Imola 1779–80. 25 Semper 1904, S.  204. 26 https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Sch%C3%B6nbrunner_Schlosstheater.jpg [letzter Zugriff am 14.10.2016]; Endmayer 1984. 27 Beranek 1996, S.  606.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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