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Akustik in Hoftheatern des 17. und 18. Jahrhunderts
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produzierten Schalls ab. Zur vergleichenden Beurteilung der Raumakustik bestimmt
man deshalb die messtechnisch normierte Nachhallzeit, die definiert wird als:
T
= 0,163 × (Volumen V /
Absorption A).
Die frequenzabhängige Absorption A berechnet sich als Summe aller Teilflächen S aus
verschiedenen Materialien, jeweils multipliziert mit dem materialspezifischen Absorp-
tionsfaktor α. Man kann die Nachhallzeit T berechnen, wenn man die Absorptionsfak-
toren aller vorkommenden Materialien und die von ihnen bedeckte Fläche kennt. Um
die Absorptionsfaktoren zu kennen, muss man diese anhand von Materialproben im
Labor messen.36 Dies geschieht in der Regel für Frequenzen von 125 bis 4000 Hz.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass genaue Angaben zu den Raumdimen-
sionen, zur Form aller Raumbegrenzungsflächen und zu den Materialien und Oberflä-
chenstrukturen des Innenausbaus und der Baukonstruktion notwendig sind, um Aus-
sagen über die Akustik in einem Theater machen zu können. Es ist deshalb wichtig,
diese Angaben aufgrund von Plänen und anderen Dokumenten so genau als möglich
zu verifizieren.
5 Seitenwände als Reflektoren
Logen haben einen großen Einfluss auf die Akustik des Zuschauerraums, weil Schall,
der in die Logen gelangt, dort meistens weitgehend absorbiert wird. Bei einem bis
zur Decke mit Logenrängen bestückten Theater wirken nur die Logenbrüstungen als
reflektierende Wandflächen. Deshalb sind die italienischen Logen mit hohen Logen-
brüstungen günstiger für die Saalakustik als die französischen Logen mit niedrigeren
Brüstungen. Der reflektierende Flächenanteil der Brüstungen beträgt bei italienischen
Logen etwa 50
%, bei französischen Logen nur etwa 30–40
% der bedeckten Außenwand-
fläche. Bei den weit offenen französischen Logen und bei offenen Galerien
– wie in dem
1750 von Philippe de la Guépierre projektierten Hoftheater in Stuttgart
– kann die hohe
Absorption wegen der geringeren Brüstungsfläche jedoch durch reflektierende Logen-
rückwände und die Wandflächen oberhalb der Logen und Galerien zu einem gewissen
Grad kompensiert werden. Für die Berechnung von Nachhallzeiten kann der in den
Logen und Galerien absorbierte Schall am Modell verifiziert werden (Abb. 7).37
36 Meyer 2015, S. 149.
37 Siehe Anm. 24.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur