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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 403 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Umkämpfte Inselreiche – Teichtheateraufführungen in Versailles und Wien zwischen 1664 und 1716 403 fixiert. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Zuschauer den Urheber der Verwandlungsmaschinerie mit der Magierin gleichsetzten, die zauberhafte Kompo- nente als künstlich hergestellt identifizierten. Dies illustriert ein Kommentar Marignys, der bemerkt, dass man beim Anblick der schönen Architektur des Zauberpalasts hätte glauben können, »que c’estoit de l’invention de Bigarrani  [Carlo Vigarani], si l’on n’eust esté prevenu que c’estoit un enchantement d’Alcine«.31 Am Ende des Petit Parc platziert, verstellt der künstliche Palastaufbau die Sichtachse der neuen Allee und erweist sich als Fremdkörper innerhalb des von Le Nôtre neu ge- stalteten Gartenabschnitts. Le Nôtre, dem verstellte Perspektiven unerträglich gewesen sein sollen,32 hatte bereits bei der Anlage von Vaux le Vicomte und danach in Versailles in der zentralen Achse Objekte vermieden, die sich über die Profilierung des Gartens erhoben.33 Der königliche Gartenarchitekt orientierte sich bei der Anlage von Gärten  – wie andere Gärtner seiner Zeit  – u.  a. an Erkenntnissen aus dem Bereich des Festungs- baus. Die Weiterentwicklung der Schusswaffen hatte dazu geführt, dass sie immer weiter tragen konnten, weshalb man bereits nach 1500 dazu übergegangen war, Festungsbau- ten nicht mehr in die Höhe zu bauen, um Wehrhaftigkeit zu vermitteln, sondern das landschaftliche Geländeprofil vor der Stadtmauer nach taktischen Gesichtspunkten zu gestalten. Unterschiedliche Höhenabstufungen und täuschende Perspektiven sollten es dem anrückenden Feind erschweren, die Beschaffenheit des Geländes, Distanzen und Abstände abzuschätzen. Somit verlagerte sich die Repräsentationsachse von einer vertikalen in eine horizontale.34 Das »auf die Gestaltung des Bodenreliefs übertragene ausgeklügelte System von Angriff und Verteidigung mit seinen visuellen Strategien des Ausblickens und der Blickverstellung, der optischen Täuschung, der Überraschung und der Blickführung durch Achsen entlang von Schuß- bzw. Sichtlinien  [gab] der Garten- kunst bis ins 18.  Jahrhundert hinein wichtige Anregungen«.35 Die prominente Besetzung des Fluchtpunkts der Versailler Allee mit dem Palast Alcines ist gerade für die später angefertigten Festillustrationen Silvestres bestimmend. Er versucht darin, den Betrachtern der Bildtafeln einen Eindruck der Gesamtanlage Versailles zu vermitteln. Publiziert werden die Bildtafeln 1673, zu einem Zeitpunkt, zu dem der Versailler Garten u.  a. im Bereich der sowohl verbreiterten, als auch wegen der inzwischen erfolgten Neuanlage des Latona Parterres verkürzten Allée royale eine gänzlich andere Erscheinung aufwies als während des Festes 1664. Im Vergleich mit einer zeitnah angefertigten Federzeichnung von unbekannter Hand (Abb.  3), die der 31 Vgl. Marigny 1664, S.  49.  – Der Autor trägt in seinem Bericht außerdem die Spekulationen zusammen, die über die Herkunft der maritime Reittiere von Alcine und ihren Begleiterinnen im Umlauf waren. Vgl. Marigny 1664, S.  47–48. 32 Dies vermerkt der Mercure galant anlässlich von Le Nôtres Ableben im Jahr 1700. Vgl. Brix 2004, S.  65. 33 Vgl. Baier  /  Reinisch 2006, S.  51. 34 Vgl. Baier  /  Reinisch 2006, S.  46. 35 Ebd., S.  47.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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