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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 412 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Helena Langewitz 412 Die 1700 auf der Bühne realisierte Lösung des Konflikts, bei dem das Reich der Circe erhalten bleibt, stellt auch im Kontext der bisherigen Anverwandlungen des Circe-Stof- fes im Rahmen von Teichtheateraufführungen und in am Wiener Kaiserhof aufgeführ- ten Opern eine Besonderheit dar. Zu nennen ist hier etwa die frühere Adaptionen des Stoffes in Pedro Calderón de la Barcas Stück El mayor encanto, amor, das im Sommer 1635 auf dem Estanque Grande im Park des neuen Palasts von Buen Retiro vor dem Königspaar Philipp  IV. und Isabel de Bourbon  – den Eltern von Ludwigs Gattin Maria Teresa  – aufgeführt worden war. Wegen kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Spanien hatte man die für den Johannitag vorgesehene Aufführung auf den 29.  Juli verschoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte das spanische Heer einen Sieg über das französische errun- genen.62 Der für die Dekorationen verantwortliche Florentiner Cosimo Lotti verlegte Circes von einem schönen Garten umgebenen Palast auf eine ovale, im Teich instal- lierte »isla fixa«, wie aus einer von ihm verfassten Memoria-Schrift hervorgeht.63 Auch wenn Ulysses hier zunächst zum Liebhaber der schönen Magierin wird, siegt schließ- lich seine Vernunft über den größten Zauber, die Liebe, und befreit ihn aus den Armen der Zauberin. Von Ulysses verlassen, verwünscht Circe ihren Palast samt seiner Gärten, woraufhin dieser untergeht.64 Es ist anzunehmen, dass sich Lotti bei der Konzeption von der Ausstattung des Schauspiels auch durch seine Erfahrungen in Florenz inspirieren ließ. Kurz vor sei- ner Anstellung am Spanischen Königshof war 1625 in dem bei Florenz gelegenen Pa- last Poggio-Imperiale der Maria Maddalena von Österreich eine Ballettoper aufgeführt worden, die wiederum die Befreiung Ritter Ruggieros aus den Fängen Alcinas the- matisierte. Giulio Parigi, der als Lehrer Lottis gilt, hatte den balletto La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina ausgestattet und sein Sohn Alfonso hielt die Dekorationen  – u.  a. den zuletzt durch Flammen zerstörten Palast der Zauberin  – in Radierungen fest und machte sie damit einer größeren Öffentlichkeit zugänglich.65 Rezipiert wurden diese auch am französischen Königshof, namentlich durch Israël Sylvestre.66 Der Circe-Stoff liegt auch dem Drama musicale Ulisse all’isola di Circe zugrunde, das anlässlich der im Jahr 1649 geschlossenen Hochzeit von Philipp  IV. mit seiner zweiten Gattin, Maria Anna von Österreich  – den Eltern von Leopolds erster Gattin, Margarita 62 Vgl. Calderón 2013, S.  11–12. 63 Cosimo Lottis Memoria La CIRCE. Fiesta que se representó en el Enstanque Grande del Retiro, invención de Cosme Loti à peticion de la Excelentisima Señora Condesa ded Olivares, Duquesa de San Lucar la Mayor, la noche de San Juan ist heute lediglich durch eine später angefertigte Transkription zugänglich. Wie viele der von Lotti ersonnenen Verwandlungen von Calderón übernommen und tatsächlich realisiert wurden, ist nicht festzumachen. Vgl. Calderón 2013, S.  12, Fußnote 6. 64 Calderón 2013, S.  305. 65 Vgl. Blumenthal 1987, S.  111. 66 Zur Vorbildfunktion dieses balletto für Sylvestres Illustrationen des Ballet du Palais d’Alcine vgl. Quaeitzsch 2012, S.  296.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa