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Greta Haenen
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System der Katalogisierung und Signaturen
Die Signaturen unterscheiden sich von den von Peter Lambeck für die nichtmusikali-
schen Bestände der Privatbibliothek eingeführten. Lambeck nummerierte nach Gebiet
durch, auch wenn die Bücher in unterschiedlichen Loculamenta aufbewahrt wurden.
Außerdem ist der Großteil der Bücher der Privatbibliothek gedruckt (die Handschriften
bilden in der Anzahl nur einen unbedeutenden Teil des Gesamtbestands). Dieses Des-
interesse weist darauf hin, dass eine andere Person die Kompositionen geordnet hat.
Dass dies später geschah, zum Teil sogar in einem Zug, lässt sich aus den Handschriften
der Signaturen und aus deren Ordnung ablesen. Später hinzugekommene Werke
– das
heißt ab etwa 1685 oder 1686 – konnten zeitnah nach dem gleichen Signatursystem
hinzugefügt werden. Dies kann man bedingt den Handschriften der Signaturen ent-
nehmen. Es gibt mehrere Schreiber; die spätesten Signaturen (ab den neunziger Jahren)
sind in der Regel entschieden kleiner geschrieben als die früheren. Die ältesten Kata-
loghandschriften kann man bis etwa 1686 verfolgen. Sie können keineswegs Lambeck
(† 1680) zugeordnet werden. Sie unterscheiden sich auch eindeutig gegenüber seiner
Hand. Anzunehmen ist wohl, dass die Signaturen von (Bibliotheks-)Angestellten bzw.
Hofkapellangestellten eingetragen wurden.
Das System der Katalogisierung ist einfach: Die erste Zahl nennt den »Schrank«
und die zweite Zahl bezeichnet die Lage innerhalb des Schranks.19 Die Nummerierung
der Musikbibliothek weicht zwar von der Lambeckschen ab, ist jedoch vom System her
ähnlich und markiert somit eine nicht für die Praxis bestimmte Bibliothek (anders als
etwa die Sammlung der Hofmusikbibliothek). Lambeck arbeitete mit einer römischen
Zahl für den »Schrank«, z. B. Loculamentum XI., gefolgt von einer arabischen Zahl für
die Lage. XI 75 beinhaltet Athanasius Kirchers Musurgia Universalis. Loculamentum XI
umfasst Philosophia, daher auch die Quersignatur Philosoph. [N.] 75. Da im Katalog
nach Feldern durchnummeriert wurde, auch nachdem der Schrank voll war, musste die
römische Nummerierung nicht im Buch erscheinen.
Die römische Nummerierung erneuert sich nach Schrank, die arabische nach
Wissensgebiet, eventuell über das Loculamentum hinaus. Dies weicht ab von dem
19 Es wäre auch möglich, dass es vor dieser Systematisierung eine Art von »Ursignatursystem« gegeben
hat, das man aus praktischen Gründen
– z. B. wegen der Größe oder Übersichtlichkeit der Sammlung
–
bei der Erstkatalogisierung nicht beibehalten konnte. Die Rücken der Bände sind nicht alle so erhalten,
dass man dies hätte sehen können. Demnach entspräche die Nummer 1 auf dem Rücken der »späteren«
N.3.N.4. (Jetzt: A-Wn Mus.
Hs.
18.831), der Spartitura compositionum des Kaisers, die seine Jugendkom-
positionen enthält.
– Darüber, ob die erste Signatur »N« tatsächlich einen realen Schrank oder ein Regal
bezeichnet, kann man natürlich nur vermuten. Im schon erwähnten Katalog der Musikalien Josephs
II.
gibt es ein Nr als Kapitelüberschrift und innerhalb dieser gibt es dann eine Nr. die sich auf das konkrete
Werk bezieht. Die Kapitel sind aber systematisch geordnet. Die Systematik ist eine ganz andere als die in
Leopolds Bibliothek, bei Joseph geht es um Gattungen und um die Frage, ob Stimmenmaterial vorhan-
den ist. Dass Gattungen nach Komponisten geordnet sind und sich in einem Schrank »überschneiden«,
kommt nicht vor. Der Gattungsbegriff ist bei Joseph allerdings breiter gefasst als bei Leopold.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur