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Die (dramatische Musik in der) Schlafkammerbibliothek Kaiser Leopolds I.
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Zum Vergleich: Alle erhaltenen dramatischen Werke Cestis sind unter N.6. zu finden.
Nur eine Florentiner Serenata von 1662 trägt die Signatur N.1.N.2.,25 ihre Zuschreibung
ist aber unsicher; es könnte sich um ein Werk Remigio Cestis handeln. Die nichtkon-
forme Signatur und die Tatsache, dass es sich um ein nicht am Hof aufgeführtes Werk
handelt, können sogar darauf hinweisen. Bertalis Opern werden in N.7. (Die kleinere
Operetta zum Geburtstag der Kaiserin-Mutter aber in N.8.), Tricarico in N.6 und Sances
in N.8. aufbewahrt, Zianis Galatea aber in N.5. Eine aussagekräftige Menge repräsenta-
tiver Werke bietet nur Draghis vorhandenes Œuvre, alle größeren Opern liegen in N.9.
Es schert ein Werk aus: Creso. Schon Herbert Seifert äußerte 1985 die Vermutung, dass
das Werk Leopold I. zuzuordnen sein könnte.26
Es gibt tatsächlich in den Loculamentis mit »großen« Opern nur zwei Werke frü-
herer Schichten in N.10., nämlich El Prometeo (1669),27 eine spanischsprachige Kom-
position, und eben Creso (1678) (N.10.N.1. und N.10.N.2.). Beide Kompositionen sind
anonym überliefert. Eine vorsichtige Zuschreibung an Leopold I. (mit dem üblichen
Fragezeichen) könnte sich aus der Einordnung der Werke ergeben. Seiferts Zuschrei-
bung von El Prometeo an Viviani wäre eine Möglichkeit, die man erwägen könne;
doch scheint mir die Position Vivianis am Hof als Komponist nicht in dem Maß ge-
sichert, dass sein Werk in N.10. eingeordnet wäre. Eine spätere Schicht »birgt« Vin-
cenzo Bernabeis L’Horto Delle Esperidi (Torneo) von 1688,28 eine Aufführung ist am
Wiener Hof nicht dokumentiert. Das Interesse des Kaisers erklärt sich aus familialen
Anlässen.
Ansonsten findet man die Opern externer Komponisten entweder in N.1. bis N.3.
oder eben ab N.11. bis N.16.N.13. bis N.16. bergen in der Regel nur spätere Werke von
Giuseppe Antonio Bernabei, Pietro Torri, Agostino Steffani, Hugo von Wilderer, also
auswärtiger Höfe wie München oder Düsseldorf, die mit dem Kaiserhof verwandt-
schaftlich liiert sind. Die frühen Schichten bergen sehr interessantes Material, bei dem
man davon ausgehen kann, dass es vielmehr dem musikinteressierten Kaiser als Stu-
dienmaterial gedient haben dürfte denn dass es für konkrete Aufführungen gedacht
gewesen wäre. Der Vorliebe für das venezianische Repertoire gemäß passt es, dass hier
Werke von Claudio Monteverdi (Il ritorno d’Ulisse in Patria N.1.N.1.)29 und Francesco
Cavalli (L’Egisto, N.3.N.1.
und Il Giasone N.3.N.2.)30 zu finden sind. Ebenfalls zu früheren
Sammelschichten gehört Il principe generoso von Remigio Cesti (1670, N.2.N.2.).31 Carlo
25 Mus. Hs. 16.890.
26 Seifert 1985, S. 85.
27 Mus. Hs. 16.910.
28 Mus. Hs. 17.745.
29 Die Signatur laut Verzeichniss ist nicht erhalten, die jetzige lautet: A-Wn Mus. Hs. 16755. Es gibt eine
Widmung an Leopold I.
30 Mus. Hs. 16.452 und 16.657.
31 Mus. Hs. 17.199.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur