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Greta Haenen
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Pallavicinos Gallieno sowie Giovanni Battista Maccionis L’Arpa festante32
– letzteres ein
Erbstück aus der Sammlung Ferdinands III. – haben keine passende Katalognummer
mehr, dafür aber Giovanni Domenico Partenios Flavio Cuniberto (N.1.N.14.).33 Sowohl
Monteverdis Ulisse als auch Cavallis Egisto haben einen Einband mit Vignette des Kai-
sers, die auf eine Einarbeitung frühestens ab 1665 hinweist. Giasone könnte ein Erb-
stück der väterlichen Bibliothek sein, das später in die Cubicularis eingearbeitet wurde
(N.3.N.2.); der Einband ähnelt dem der Oper Maccionis, unterscheidet sich auch von
den Einbänden der Hofbibliothek. Bei Werken nicht am Hof beschäftigter Komponisten
lässt sich nur sehr schwer feststellen, wie groß die Verluste sind.
Einen interessanten Fall bildet die unvollständig erhaltene Partitur Gli Amori d’-
Alessandro Magno e di Rossana (Text: Giacinto Andrea Cicognini, Musik: Giovanni Gia-
como Arrigoni). Sie ist nicht datiert, das vermutete Kompositionsdatum (um 1657/8) der
dreiaktigen Festa teatrale ist keineswegs gesichert. Es lassen sich keine Aufführungen
nachweisen; die Widmung an den Kaiser lässt dieses Datum sogar als eher verfrüht
erscheinen: die Zeit direkt nach seiner Wahl Ende Juli / August 1658 wäre der allerfrü-
heste Moment. Eine erweiterte deutsche Übersetzung des Librettos, die eher auf eine
Bearbeitung als Schauspiel als auf eine Oper hinweist, wurde 1665 bei Cosmerovius
gedruckt. Eine italienische Fassung ist in Wien entweder nie erschienen oder verschol-
len. Von Arrigonis Oper ist in Wien nur der erste Aufzug erhalten.34 Ob am 10. und
12. Februar 1665 ein Schauspiel35 (wie die gedruckte deutsche Bearbeitung nahelegt)
oder eine Oper aufgeführt wurde, lässt sich nicht eindeutig klären. Die Partitur Arrigo-
nis entspricht dem italienischen Originallibretto. Eine eventuelle Cubicularis-Signatur
ist nicht mehr vorhanden, das Werk wurde neu gebunden.
Oratorien und Sepolcri
Ähnlich eindeutig sieht die Einordnung der Oratorien und Sepolcri aus. Draghis
Oratorien sind, mit einer Ausnahme (N.1.N.1.), unter N.8., die Sepolcri unter N.10.
zu finden. Allerdings wäre auch hier zu bedenken, dass die vielen Verluste eine
32 Resp. Mus.
Hs.
16.491 (Provenienz laut ÖNB: »Hofkapelle«) und 16889 (Provenienz: Schlafkammerbiblio-
thek).
33 Mus. Hs. 18.642 (»keine Provenienzangabe«, jedoch im Verzeichniss aufgeführt, dort allerdings, wohl
irrtümlich) sub N.5.N.14., ohne Titel erhalten, im Katalog der ÖNB sub Vitige zu finden.
34 Dazu: Noe 2011, S.
318, mit Hinweis auf u.
a. Martino 1994, S.
91–92. Noe merkt aber zugleich an, dass
eine von Martino unterstellte Aufführung bzw. Widmung an Leopold 1657 nicht zu belegen ist. Partitur:
Mus.
Hs.
16.755; die ÖNB gibt als Provenienz »Hofkapelle« an. Eine Datierung auf 1675, wie die ÖNB vor-
schlägt, lässt sich nicht erklären. 1675 ist das Todesjahr Arrigonis, daher womöglich eine Verwechslung.
35 Seifert 1985, S.
452, wenn das Werk auf Deutsch gegeben wurde. Sollte es auf Italienisch
– also in der
Ursprungsfassung!
– aufgeführt worden sein, so käme es als eine Oper in Betracht und könnte das Werk
Arrigonis sein.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur