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Die gespiegelte Inszenierung?
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Einen ungewöhnlichen Schritt setzte Maria Theresia auch bei der Leitung des neuen
Theaters, mit der sie den privaten Pächter Joseph Carl Selliers betraute.17 Damit entzog
sie den Theaterbetrieb der unmittelbaren Hofverwaltung und übergab sie dem »Ent-
repeneur der Hofopern, Serenaden, Komoedien, Oratorien und heiligen Gräber«, der
damals auch das städtische Kärntnertortheater gepachtet hatte.18
Darüber hinaus befand sich das Ballhaus an einer denkbar ungünstigen Stelle im
architektonischen Gefüge des Residenzareals und hätte für den Bau der Michaeler-
front, der Hauptfassade der Hofburg zur Stadt, eigentlich abgebrochen werden sollen
(Abb. 1).19 Doch der hochbarocke Ausbau der kaiserlichen Residenz war spätestens
durch den plötzlichen Tod Kaiser Karls VI. im Oktober 1740 ins Stocken geraten, und
von der Michaelerfassade konnten bis dahin nur die ersten beiden Achsen in Fort-
setzung der Winterreitschule vollendet werden. Durch die nunmehrige Entscheidung
zugunsten des unattraktiven Zweckbaus und seiner Umgestaltung in ein Theater war
ein Weiterbau der Michaelerfront vorerst kein Thema mehr. Aus logistischen Gründen
machte die Umwidmung des Ballhauses hingegen Sinn, war das neue Hoftheater doch
sowohl aus dem kaiserlichen Appartement auf direktem Weg erreichbar als auch für
Außenstehende des Hofes von Seiten des Michaelerplatzes zugänglich. Ein Grundriss
macht die Zugangssituation deutlich (Abb. 2): Das kaiserliche Appartement nahm in
17 Pachtvertrag mit Joseph Carl Selliers vom 11.
März 1741; Wien, Finanz- und Hofkammerarchiv (FHKA),
Sammlungen und Selekte (SUS), Kontrakte und Reverse C, Nr. 1397; in Auszügen zit. bei Schindler
1976b, S. 16.
18 Zit. nach Schindler 1976b, S. 15–16.
19 Zur Planungsgeschichte der Michaelerfassade zuletzt Lorenz / Mader-Kratky 2016, S. 104–111 (Ma-
nuel Weinberger).
Abbildung 1.
Wiener Hofburg, Rekonstruktion des Michaelerplatzes; a: Zustand um 1740
mit Winterreitschule (links), Ballhaus (Mitte) und der begonnenen Rotunde der Michael-
erfassade (rechts); b: nach dem Umbau des Ballhauses zum Alten Burgtheater und der Er-
neuerung seiner Fassade in den frühen 1760er Jahren.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur