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Elisabeth Hilscher, Anna Mader-Kratky
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die Selliers aus eigener Tasche finanzierte, nahm das Herrscherpaar »inkognito« teil.27
Kam Franz Stephan alleine ins Theater, lud er gerne Gäste zu sich in die Loge – etwa
Damen der Gesellschaft oder Mitglieder der höchsten Hofämter.28 Für die Vorstellun-
gen an den Geburts- oder Namenstagen eines Mitgliedes der kaiserlichen Familie, den
sogenannten Galatagen, erstattete hingegen der Hof die Kosten, und die Theaterplätze
mussten zum überwiegenden Teil dem Hofstaat zur Verfügung stehen.29 An diesen Ta-
gen wohnten Maria Theresia und Franz Stephan den Vorstellungen »in publico« bei.30
In diesem Zusammenhang gibt Khevenhüller-Metsch in seinen Tagebuchaufzeich-
nungen auch einige Informationen zum damaligen Aussehen des Zuschauerraumes:
»[…] darauf gienge mann in das Balhaus zur neuen Opera, Demetrio genannt, welche
gratis und auf des Hoffs Unkosten gespillet wurde, dahero mann auch für die mit dem
Hoff kommende Dames und Cavalliers die Helffte des Amphithéâtre (die andere Helffte
wurde für den übrigen nicht mit dem Hoff gekommenen Adel destinirt) und die Gallerie
auf der linken Hand, ingleichen den vorderen und abgesonderten Theil des Parterre,
wohin die Cavalliers zu gehen pflegen, aufbehalten, sonsten aber jedermann die Entrée
frei stehen liesse.«31 Der erwähnte abgetrennte Bereich im Parterre war in diesem Fall
wohl für die kaiserliche Familie vorgesehen, die in traditioneller Anordnung direkt vor
der Bühne platziert wurde, ohne dass dies eigens in den Quellen Erwähnung findet.
Der eigentliche und dauerhafte Umbau des ehemaligen Ballhauses auf dem Micha-
elerplatz in ein Theater erfolgte in den Jahren 1748–1749 durch den neuen Pächter Ba-
ron Rocco de Lo Presti, der die Bauarbeiten wieder aus eigenen Mitteln zu bestreiten
hatte.32 Laut Vertrag war er dazu verpflichtet, das Ballhaus »in Besßeren Stand herzu-
stellen« und ihm die »wahrhaffte Form eines Theatri« zu geben. Zu diesen Baumaß-
nahmen haben sich Architekturzeichnungen erhalten, deren Urheber wir nicht ken-
nen. Aus stilistischen Gründen spricht vieles dafür, die Entwürfe dem lothringischen
Architekten Jean Nicolas Jadot zuzuschreiben, der mit Franz Stephan von Lothringen
an den Wiener Hof kam;33 die Ansicht der Hofloge mit beigefügtem Schnitt durch den
27 Laut Khevenhüller-Metsch, Bd.
1 (1907) besuchten Maria Theresia und Franz Stephan in den Jahren
1742–1744 zehn Vorstellungen, im Wienerischen Diarium finden nur drei dieser Termine Erwähnung;
Wienerisches Diarium, Nr. 11, 7.
Februar 1742; Nr. 76, 19. September 1744; Nr. 92, 14. November 1744.
28 Khevenhüller-Metsch, Bd. 2 (1908), S. 26 (3. Februar 1745).
29 Khevenhüller-Metsch, Bd. 1 (1907), S. 252 (15. Oktober 1744).
30 »Nach 5 Uhr ware Appartement und gegen 6 Uhr verfügten sich die Herrschafften in publico ins Bal-
hauß, allwo eine neue Opera, Alessandro nelle Indie genannt, produciret und wie vorn Jahr auf der
Kaiserin Unkosten, und zwar gegen 200 Ducaten, der Einlaß jedermänniglich gratis verstattet wurde.«
Khevenhüller-Metsch, Bd. 2 (1908), S. 131 (8. Dezember 1746).
31 Khevenhüller-Metsch, Bd. 1 (1907), S. 252 (15. Oktober 1744). Hinter dem Begriff »Amphithéâtre«
vermutet Schindler (Schindler 1976a, S. 22–23) amphitheatralisch ansteigende Sitzreihen im hinteren
Bereich; er könnte aber auch ganz allgemein als Bezeichnung des Auditoriums gemeint sein.
32 Wien, FHKA, SUS, Kontrakte und Reverse C, Nr.
1660; in Auszügen zit. bei Schindler 1976a, S.
23–24.
33 Bösel / Benedik 1991, Kat.-Nr. 56–58 (Christian Benedik).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur