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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 473 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Die gespiegelte Inszenierung? 473 raum blieb in dem sich verjüngenden anschließenden Flügel aber nur mehr wenig Platz. Und so stellt die geschwungene Wand des Bühnenhauses bis heute nicht nur eine op- tische, sondern auch eine akustische Herausforderung für Opern- und Theaterproduk- tionen dar. Die Pläne für den Schönbrunner Theaterbau gehen wohl auf den damals leitenden Hofarchitekten Nikolaus Pacassi zurück, unter dessen Ägide der Ausbau des Schlossareals erfolgte. Es ist aber auch an eine Zusammenarbeit mit den damaligen Theatralingenieuren des Wiener Hofes, Giuseppe und Antonio Galli Bibiena, zu den- ken, die auch am Umbau des ehemaligen Ballhauses der Wiener Hofburg in ein Theater (Altes Burgtheater) mitgewirkt haben könnten. Am Namenstag von Kaiser Franz Ste- phan am 4.  Oktober 1747 wurde das Theater feierlich eröffnet, das während des alljähr- lichen Sommerséjour, der gewöhnlich von April bis in den November hinein dauerte, nun regelmäßig als abendliche Spielstätte diente.43 Das damalige Aussehen des Zuschauerraumes lässt sich nur durch Beschreibungen von Oberstkämmerer Khevenhüller-Metsch rekonstruieren, die ersten Ansichten ent- standen erst anlässlich eines Umbaus in den 1760er Jahren; diese späteren Grundrisse zeigen die Anlage eines ovalen Raumes mit einer hufeisenförmigen Galerie und einer baulich abgetrennten Mittelloge  – eine Anordnung, die auch für den ersten Bau denk- bar ist. Laut Khevenhüller-Metsch besaß das Theater eine große Mittelloge (»en face du théâtre«), in der das Kaiserpaar oder Mitglieder der kaiserlichen Familie Platz nah- men.44 Entlang der Wände verliefen Galerien, deren erste Reihe für die Hofdamen vor- gesehen war. Am bühnenseitigen Ende der Galerien befanden sich zwei kleinere Logen in der Art von Proszeniumslogen. Im Parterre konnten bei Bedarf mit Teppichen über- zogene Barrieren aufgerichtet werden, um die Mitglieder des Hofstaates je nach Rang gegeneinander abzutrennen. In diesem Fall saß der Adel in den ersten Reihen, dahinter folgten der Halbadel bzw. die Kammerdienerinnen, und die hintersten Reihen standen Kammerdienern, Türhütern, Sattelknechten etc. zur Verfügung. Eine andere Aufteilung der Sitze war notwendig, wenn das Kaiserpaar bei besonde- ren Anlässen  – etwa an Galatagen  – »in publico« ins Theater kam und »nach der alten Etiquette« auf Fauteuils im Parterre die Aufführung verfolgte.45 Diese Zuweisung der Plätze erfolgte auch bei der Opernaufführung anlässlich des Geburtstags von Maria Theresia am 13.  Mai 1752, die eine entsprechende Skizze im Zeremonialprotokoll er- läutert:46 Auf dem zentralen Podest (»Staffel«) mit »roth Sammeten mit gold Bordirten Ruck und arm laihn Sesseln« nahm das Kaiserpaar gemeinsam mit seinen drei ältesten 43 Wien, HHStA, ZA Prot. 21 (1747–1748), fol.  171v; Wienerisches Diarium, 7.  Oktober 1747, Nr.  80; Kunz 1958, S.  46–51 (mit einer Aufstellung diverser Aufführungen 1747–1765) und Hadamowsky 1988, S.  247–254. 44 Khevenhüller-Metsch, Bd.  2 (1908), S.  351–352 (18.  September 1749). 45 Ebd., S.  354–356 (8.  Oktober 1749); zur Sitzordnung vgl. auch Hadamowsky 1988, S.  251. 46 Wien, HHStA, ZA Prot. 24 (1753–1754), fol.  190v–192r (Schema und Legende); dazu auch Endmayr 1984, S.  93–94.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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