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Elisabeth Hilscher, Anna Mader-Kratky
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mit ein Grund für die einerseits immer weniger genutzte alte Ordnung und anderer-
seits für das Ausweichen des Hofes auf andere Räumlichkeiten für besondere Feste war,
kann aus den Quellen nicht eindeutig beantwortet werden; in den rein durch den Hof
genützten Theatern in Schönbrunn und Laxenburg bestand dieser Interessenskonflikt
jedenfalls nicht.
Das nun öffentliche Alte Burgtheater wies einen gemischten Spielplan auf, in dem
sowohl opera seria wie opera buffa, Ballette und Pantomimen einander abwechselten,76
die Spielpläne der mariatheresianischen Schlosstheater in Schönbrunn und Laxenburg
wurden dagegen von kleineren »höfischen Lustbarkeiten« wie Komödien, Balletten
oder Opéra comique (oft auch Aufführungen durch Mitglieder der Hofgesellschaft
oder des kaiserlichen bzw. hochadeligen Nachwuchses) dominiert. Nach Khevenhül-
ler-Metsch wurde das neue Theater in Schönbrunn am 4. Oktober 1747 (dem Namens-
tag des Kaisers77) mit einer »Comédie, Le dissipateuer« eröffnet, die »von Dames und
Cavalliers […] produciret« wurde und in die auch drei Ballette eingefügt waren. Inte-
ressant ist die Bemerkung, dass man zu dieser Aufführung zur traditionellen Sitzord-
nung zurückkehrte: »Die Ordonanz ware um halber 6 Uhr und sollte die Herrschafften
offentlich gehen, mithin niemand in Parterre (allwo für dieselben die Fauteuils nach
alten Gebrauch gestellet waren) als die in Hoffkleid mitkommende Dames und von
Cavalliers die geheimme Räth, Cammerherrn und fremmde Ministri eingelassen wer-
den; die Gallerie aber wurde für die Cammerdienerinnen und die sie mit Erlaubnus der
Kaiserin mitbrachten, destiniret.«78 Auch in den folgenden Jahren wurde vor allem an
den Namenstagen von Kaiser und Kaiserin (4. bzw. 15.
Oktober) dem Rang des Galata-
ges entsprechend die alte Sitzordnung im Parterre aufgegriffen, doch wählte man den
intimen Rahmen des Schönbrunner Schlosstheaters, statt eigens in die Stadt ins Alte
Burgtheater zu fahren.79
Während Schönbrunn unter Maria Theresia zu einer der Hofburg ebenbürtigen
zweiten Residenz ausgebaut und die Prunkräume genauso wie das Schlosstheater oft
zu offiziellen Akten der Repräsentation herangezogen wurden,80 beschränkten sich die
bewusst als »privat« deklarierten und nur einem Teil der Hofgesellschaft zugänglichen
Toussaint und Koch jeglichen eine assigniret. Der hintere theil des Parterre, die dritte Reihe – ausser
eines Spatii, so ich vor die Cammerdiener und dergleichen Hofleuthe (immassen die Cammerdienerin-
nen ohnedeme ihre beständige Loge ober denen Hoff Dames haben) unterschlagen liesse – und das
Paradis blibe für das Volck und primo Occupati und ist leicht zu erachten, wie groß der Zulauff und die
Völle gewesen.«; Khevenhüller-Metsch, Bd. 2 (1908), S. 289.
76 Vgl. dazu Michels (im Druck, 2019), bzw. Zechmeister 1971, S. 399–562 (Spielplan 1747–1776).
77 Khevenhüller-Metsch schrieb irrtümlich das Fest dem Namenstag der Kaiserin zu, der jedoch auf den
15. Oktober fällt; Khevenhüller-Metsch, Bd. 2 (1908), S. 180.
78 Ebd. Diese Änderung der Sitzordnung scheint für viele am Hof unerwartet gekommen zu sein, wie der
abschließende Kommentar Khevenhüller-Metschs vermuten lässt.
79 Detailreich beschrieben z. B. für den 4.
Oktober 1749; ebd., S.
355–356.
80 Beck 2017, S. 362–379.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur