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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 485 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Die gespiegelte Inszenierung? 485 würden; um sie in ihrem Rang nicht zu degradieren, sollten sie daher während der Vorführung in der zentralen Kaiserloge sitzen. Gleichzeitig erbaten die höchsten Hof- ämter die Gnade, die Oper gemeinsam mit der kaiserlichen Familie ebenfalls aus dem Parterre zu verfolgen, auch wenn sie dafür Einbußen bei der Sicht auf die Bühne in Kauf nehmen mussten.87 Für den gesamten Festzyklus selbst wurde ein Zeitraum von gut einer Woche anbe- raumt (7.–15.  Oktober 1760), wobei Oper, Serenaden, Komödien und Bälle ein sehr viel- fältiges Programm bieten sollten.88 Aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist die Auswahl der Räumlichkeiten für die einzelnen Programmpunkte der Festlichkeiten, die doch in einigen Punkten von der Tradition abwich: Die Festtafel am ersten Galatag fand ebenso im Großen Redoutensaal statt wie der große Maskenball am dritten Galatag; die Hoftafel am zweiten Galatag wurde dagegen traditionsgemäß in der Großen Antekam- mer gehalten. Für die Festoper Alcide al bivio (Metastasio  /  Hasse) am zweiten Galatag wurde das Alte Burgtheater gewählt, für die Serenata Tetide (Migliavacca  /  Gluck) hin- gegen wieder der Große Redoutensaal, in den man einen spektakulären Bühnenapparat einbaute, für dessen Entwurf eigens der Theaterarchitekt Giovanni Servandoni aus Pa- ris nach Wien berufen wurde.89 Warum sowohl die erste Tafel als auch die Aufführung Tetide im überbeanspruchten Großen Redoutensaal stattfanden, muss offen bleiben.90 Am 12.  Oktober 1760 gab es einen Freiball in den Redoutensälen, am 15.  Oktober, dem Namenstag Maria Theresias, wurde Tetide im Großen Redoutensaal wiederholt; die auf- wendige Bühnendekoration muss also die ganze Zeit über aufgebaut geblieben sein. Die Sitzordnung war  – egal ob im Alten Burgtheater oder im Redoutensaal  – die zeremo- niell-öffentliche, in der die hohen Herrschaften auf einem Podest in der ersten Reihe und als Teil der Inszenierung saßen.91 Die zweite Hochzeit Josephs mit Maria Josepha von Bayern fiel weniger prunkvoll aus, obwohl man sie geschickt in die Faschingszeit gelegt hatte (22.–31. Jänner 1765). 87 Mathis 1981, S.  51–52. Auch die Platzierung der weiteren Gäste stellte eine diffizile Frage dar und wurde in mehreren Hofkonferenzen erörtert, denn es galt »allen Anstössigkeiten, Unzufriedenheiten, und Folgen« auszuweichen (zit. ebd., S.  53). 88 Sommer-Mathis 1994, S.  85–87. 89 Ebd., S.  96–103. 90 Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, für einen Programmpunkt in die Winterreitschule auszuwei- chen, die für Ballveranstaltungen gerne herangezogen wurde (etwa bei der Hochzeit von Erzherzogin Maria Anna und Karl von Lothringen 1744). 91 Martin van Meytens und Werkstatt, Aufführung der Serenade Tetide im Großen Redoutensaal, 1760/1763 (Abb. bei Iby 2017, S.  187): Die Musiker der Hofkapelle sind an ihren roten Dienströcken gut erkennbar, doch lenkt Meytens die Aufmerksamkeit mittels Lichtführung auf die kaiserliche Familie in der ersten Reihe, die bei dieser Aufführung die eigentliche Hauptrolle spielt. Besser auszunehmen ist die Kapelle (einschließlich Sängerin, vor den Musikern der Bassgruppe stehend) im Gemälde mit der Hoftafel in der Großen Antekammer (Abb. bei Iby 2017, S.  186); eine eindeutige Besetzung ist aber auch hier nicht abzulesen. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen von Theateraufführungen stehen die Musiker dicht gedrängt auf engem Raum ohne erkennbare Ordnung.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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