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Die gespiegelte Inszenierung?
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würden; um sie in ihrem Rang nicht zu degradieren, sollten sie daher während der
Vorführung in der zentralen Kaiserloge sitzen. Gleichzeitig erbaten die höchsten Hof-
ämter die Gnade, die Oper gemeinsam mit der kaiserlichen Familie ebenfalls aus dem
Parterre zu verfolgen, auch wenn sie dafür Einbußen bei der Sicht auf die Bühne in
Kauf nehmen mussten.87
Für den gesamten Festzyklus selbst wurde ein Zeitraum von gut einer Woche anbe-
raumt (7.–15.
Oktober 1760), wobei Oper, Serenaden, Komödien und Bälle ein sehr viel-
fältiges Programm bieten sollten.88 Aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist die
Auswahl der Räumlichkeiten für die einzelnen Programmpunkte der Festlichkeiten, die
doch in einigen Punkten von der Tradition abwich: Die Festtafel am ersten Galatag fand
ebenso im Großen Redoutensaal statt wie der große Maskenball am dritten Galatag; die
Hoftafel am zweiten Galatag wurde dagegen traditionsgemäß in der Großen Antekam-
mer gehalten. Für die Festoper Alcide al bivio (Metastasio / Hasse) am zweiten Galatag
wurde das Alte Burgtheater gewählt, für die Serenata Tetide (Migliavacca / Gluck) hin-
gegen wieder der Große Redoutensaal, in den man einen spektakulären Bühnenapparat
einbaute, für dessen Entwurf eigens der Theaterarchitekt Giovanni Servandoni aus Pa-
ris nach Wien berufen wurde.89 Warum sowohl die erste Tafel als auch die Aufführung
Tetide im überbeanspruchten Großen Redoutensaal stattfanden, muss offen bleiben.90
Am 12. Oktober 1760 gab es einen Freiball in den Redoutensälen, am 15. Oktober, dem
Namenstag Maria Theresias, wurde Tetide im Großen Redoutensaal wiederholt; die auf-
wendige Bühnendekoration muss also die ganze Zeit über aufgebaut geblieben sein. Die
Sitzordnung war – egal ob im Alten Burgtheater oder im Redoutensaal – die zeremo-
niell-öffentliche, in der die hohen Herrschaften auf einem Podest in der ersten Reihe
und als Teil der Inszenierung saßen.91
Die zweite Hochzeit Josephs mit Maria Josepha von Bayern fiel weniger prunkvoll
aus, obwohl man sie geschickt in die Faschingszeit gelegt hatte (22.–31. Jänner 1765).
87 Mathis 1981, S. 51–52. Auch die Platzierung der weiteren Gäste stellte eine diffizile Frage dar und
wurde in mehreren Hofkonferenzen erörtert, denn es galt »allen Anstössigkeiten, Unzufriedenheiten,
und Folgen« auszuweichen (zit. ebd., S. 53).
88 Sommer-Mathis 1994, S. 85–87.
89 Ebd., S.
96–103.
90 Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, für einen Programmpunkt in die Winterreitschule auszuwei-
chen, die für Ballveranstaltungen gerne herangezogen wurde (etwa bei der Hochzeit von Erzherzogin
Maria Anna und Karl von Lothringen 1744).
91 Martin van Meytens und Werkstatt, Aufführung der Serenade Tetide im Großen Redoutensaal, 1760/1763
(Abb. bei Iby 2017, S.
187): Die Musiker der Hofkapelle sind an ihren roten Dienströcken gut erkennbar,
doch lenkt Meytens die Aufmerksamkeit mittels Lichtführung auf die kaiserliche Familie in der ersten
Reihe, die bei dieser Aufführung die eigentliche Hauptrolle spielt. Besser auszunehmen ist die Kapelle
(einschließlich Sängerin, vor den Musikern der Bassgruppe stehend) im Gemälde mit der Hoftafel in
der Großen Antekammer (Abb. bei Iby 2017, S. 186); eine eindeutige Besetzung ist aber auch hier nicht
abzulesen. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen von Theateraufführungen stehen die Musiker dicht
gedrängt auf engem Raum ohne erkennbare Ordnung.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur