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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 494 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Karin Fenböck 494 spanischen Hofzeremoniell unterlagen.7 Das Hofzeremoniell regulierte alle Lebensbe- reiche der kaiserlichen Familie. Neben dem Tagesablauf und dem Ablauf von Feier- tagen und Alltag im Jahreskreis und den damit einhergehenden Messen, Audienzen, Huldigungen etc. wurden auch die unterschiedliche Bedeutung der Räumlichkeiten sowie der Zutritt nach Rang und Person festgelegt. So konnte nicht nur die höfische Hierarchie schriftlich abgebildet werden, auch Rangunterschiede wurden verdeutlicht, womit sie wiederum erst an Realität gewannen.8 Die Signalwirkung einer für die hö- fische Öffentlichkeit sichtbaren Handlung war im Idealfall aufgrund des festgelegten Kodex des Zeremoniells kalkulierbar und für die Mitglieder des Hofstaats wie auch für die geladenen Gäste unmissverständlich zu deuten. Höfische Festveranstaltungen in jeglicher Form galten als fester Bestandteil des zeremoniell geregelten Hofalltags. Oftmals wurden sie über den Kreis des Hofstaats hinaus mittels Periodika und zeitgenössischer Berichte publik gemacht. Auch aufwen- dig gestaltete gedruckte Libretti boten die Möglichkeit, den Souverän und seinen Hof nicht nur für ausländische Gesandtschaften und diverse adelige Besucher von ande- ren Höfen, sondern auch für den eigenen Hofadel und die verschiedenen Amts- und Würdenträger so vorteilhaft wie möglich zu repräsentieren. Noch Kaiser Karl  VI. hatte prunkvolle (und finanziell äußerst aufwendige) feste teatrali veranstalten lassen, durch die der Wiener Hof als kulturelles Zentrum eines mächtigen Reiches präsentiert wer- den sollte.9 Nach dem Regierungsantritt Kaiserin Maria Theresias verloren diese Form der Repräsentation und damit die großen Festveranstaltungen an Bedeutung. 1747/48 wurden die lange ungenutzt gebliebenen Hoftheater im Leopoldinischen Trakt zu den Redoutensälen, also zu Ballsälen, umgebaut. Ein Grund dafür war sicherlich die Spar- samkeit der Kaiserin, die eine Verwaltungsreform für das Theater in Wien wie auch für den höfischen Theatralstaat an sich veranlasste, der noch unter Karl  VI. vom Oberst- hofmeister verwaltet worden war.10 So konnte sie nicht nur die Ausrichtung der teu- ren Aufführungen auslagern, sondern hatte zugleich ein Mittel gefunden, den Wiener Hof und seine kulturelle Vormachtstellung publikumswirksam sichtbar zu machen. Das Wiener Kärntnertortheater wurde nun vom Hof finanziert und administriert, ebenso 7 Hofzeremoniell wird in diesem Zusammenhang verstanden als Gesamtheit von »Hofordnung und Hof- organisation, der strukturprägenden Rangstufen, der Repräsentation und der spezifischen weltlichen, geistlichen, Staats- und höfischen Zeremonialakte und der Etikette.« Hofmann-Randall 2012, S.  22. 8 Vgl. Ehalt 1980, S.  118. 9 Vgl. Duindam 2003, S.  16–19 sowie Braun 2008, S.  73–76. 10 Dabei wurde der Betrieb des Hoftheaters im Ballhaus an den Pächter des Kärntnertortheaters, Joseph Karl Selliers, ausgelagert und allgemein zugänglich gemacht. 1747 erfolgte der Umbau der Hoftheater zu den Redoutensälen. Rocco de lo Presti, der Selliers abgelöst hatte, ließ auf Geheiß des kaiserlichen Hofes das Theater nächst der Burg errichten. 1752 übernahm der Hof die administrative, organisatori- sche und programmatische Verwaltung der Wiener Theater. Das Theater nächst der Burg wurde nun als französisch sprachiges Theater geführt, in dem auch Opéra comique gegeben wurde. Vgl. unter anderen Hadamowsky 1994 sowie Zechmeister 1971.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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