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Karin Fenböck
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Ritterstube, das Spiegelzimmer der Kaiserinwitwe Elisabeth Christine (1691–1750), die
Galerie, ebenso Zimmer in der Alten Burg (Sommerzimmer) und in der Amalienburg.16
In Schönbrunn wurde neben dem 1747 fertig gestellten Schlosstheater zum Beispiel die
sala terrena und der Salon des Batailles für Theateraufführungen genutzt.17
In dem dafür immer eigens adaptierten Spanischen Saal der Hofburg fanden zahl-
reiche Aufführungen statt. Dieser Festsaal lag im zweiten Obergeschoss des Leopoldini-
schen Traktes der Hofburg und erstreckte sich nach oben bis auf das dritte Stockwerk.
Er befand sich über der ehemaligen königlichen Wachtstube, mittlerweile die zweite
kaiserliche Antecamera des Kaisers, und dürfte ebenso wie diese drei Fensterachsen
breit gewesen sein.18 Dieser Saal war vom Stiegenhaus aus zugänglich.19 Er wurde 1749
im Zuge des Umbaus der Großen Antecamera mit dieser vereinigt.20 Als weitere Auf-
führungsorte genannt werden Räumlichkeiten sowohl auf der sogenannten Herrenseite
wie auch angrenzend an die inneren Wohnräume der Kaiserin auf der Damenseite, da-
runter die Zweite oder Große Antecamera21 sowie in den inneren Wohnzimmern der
Kaiserin die Ratsstube, die Retirade und das Spiegelzimmer.22
Die Ritterstube – der öffentlichste Raum dieser Zimmerfolge – befand sich im
Schweizertrakt und gehörte als Teil der Herrenseite eigentlich zu den offiziellen Ge-
mächern Kaiser Franz Stephans. Sie lag am Eintrittsbereich dieser Räumlichkeiten und
war deshalb für einen erweiterten Personenkreis zugänglich, während der Zugang zu
den angrenzenden Prunkgemächern wesentlich strenger reglementiert wurde.23 Zutritt
zur Zweiten Antekammer hatten unter anderen der hoffähige Adel (Grafen, Freiherren
und Personen im Ritterstand), die hohen Landesdienste und die hohe Geistlichkeit (Or-
denspriore, Rektoren, Prälaten und Domherren etc.); zur angrenzenden Ratsstube unter
anderen die Botschafter gekrönter Häupter, die Reichsfürsten, die obersten Hofämter,
Geheimen Räte und Kämmerer.24
Das Spiegelzimmer gehörte zu den inneren Wohnräumen der Kaiserin und stellte
als solches einen sehr intimen Rahmen für das Theaterspiel dar. Schon unter Karl VI.
wurde in diesen Räumlichkeiten Theater gespielt. Am 21. Februar 1735 fand dort eine
kleine Opernaufführung statt, an der die damalige Erzherzogin Maria Theresia mit ihrer
Schwester Maria Anna (1718–1744) und deren Aya Maria Caroline Gräfin Fuchs-Mol-
lard (1681–1754) mitwirkte. »Das Theatrum bestunde auß Lackirten Indianischen
16 Vgl. Sommer-Mathis 2016, S. 466.
17 Vgl. ebd., S. 467.
18 Vgl. Kalousek /
Mader-Kratky 2016, S. 279.
19 Vgl. Karner 2014, S. 412.
20 Vgl. Sommer-Mathis, 2016, S. 464; vgl. außerdem Kalousek / Mader-Kratky 2016, S.
273–274.
21 Vgl. Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1910, S.
76 [Eintrag vom 24.
November 1752].
22 Vgl. ebd., S. 76
[Eintrag vom 24. November 1752].
23 Vgl. Benedik 2009, S. 79–80.
24 Vgl. Pangerl 2007, S. 271–272.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur