Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Page - 498 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 498 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Image of the Page - 498 -

Image of the Page - 498 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Text of the Page - 498 -

Karin Fenböck 498 worden.30  Ebenfalls  unter den Zuschauern befand sich Cardinal Kollonitsch, aber »da privato, massen keine Cardinale, noch jemand anderer deren fremmden Ministern ge- laden wurden.«31 Indem der Kardinal dieser Veranstaltung inkognito beiwohnte, also quasi offiziell gar nicht anwesend war, konnten eventuelle zeremonielle Schwierig- keiten umgangen werden. Die Notwendigkeit, die Zutritte zu den Kammerfesten strengstens zu reglementie- ren und die Sitzordnung zu planen bestand aus mehreren Gründen: Nicht nur aufgrund des oftmals beschränkten Platzes und der zeremoniell festgelegten Zulassung zu den bespielten Räumlichkeiten, sondern auch, weil eine Einladung zu einem Kammerfest einen für alle Hofangehörigen sichtbaren Gunstbeweis darstellte. Hinweise auf die Handhabung des Zutritts finden sich in den Zeremonialprotokol- len im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und in den zum Teil sehr detaillierten Tagebuch- aufzeichnungen des schon erwähnten kaiserlichen Obersthofmeisters Khevenhüller- Metsch, der für die Platzvergabe und den Einlass zuständig war. Aus ihnen geht hervor, dass die strenge Handhabung des Zutritts zu den Kammerfesten auch aus dem Ansin- nen begründet wurde, die herrschaftliche Würde der DarstellerInnen zu wahren: Zu Lebzeiten Kaiser Karls  VI. traten die spätere Kaiserin und ihre Schwester Maria Anna noch selbst als Sängerinnen und Tänzerinnen auf.32 Noch während der Proben zu L’Ipermestra (Libretto: Pietro Metastasio  /  Musik: Johann Adolf Hasse, Luca Predieri; 8. Jänner 1744, anlässlich der Hochzeit von Erzherzogin Maria Anna mit Karl von Lothringen) wurde allerdings befunden, dass sich ein Auftritt auf der Bühne nicht schickte.33 Kaiserin Maria Theresia trat ab diesem Zeitpunkt nur mehr als Zuschauerin in Erscheinung. Dergleichen Bedenken schienen sich aber nicht auf die kaiserliche Familie und schon gar nicht auf hochadelige Theateramateure im wahrsten Sinn des Wortes zu erstrecken. Die Erzherzöge und Erzherzoginnen wurden, kaum dass sie gehen konnten, in die Kammerfeste eingebunden, wo sie zunächst kleinere Aufgaben bekamen. Die älteren Kinder durften größere Rollen spielen und tanzen.34 Die älteste Erzherzogin Maria Anna (1738–1789) trat immer wieder nicht nur als Schauspiele- 30 Vgl. ebd., S.  31  [Eintrag vom 28.  Februar 1745]. Gemeint ist vermutlich Prinz Ferdinand von Braun- schweig-Wolfenbüttel (1735–1806). 31 Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1908, S.  31  [Eintrag vom 23.  Februar 1745]. Gemeint ist Sigismund Graf Kollonitz von Kollógrad (auch Kollonitsch) (1677–1751). 32 Vgl. zum Beispiel Metastasio  /  Caldara 1735,  [fol.  1v]; Le grazie vendicate wurde im Auftrag von Kaiser Carl  VI. für den Geburtstag der Kaiserin Elisabeth komponiert. Die damalige Erzherzogin Maria spielte die Eufrosine, Erzherzogin Maria Anna die Aglaia und ihre Aja Gräfin Fuchs spielte die Ta- lia  [sic]. Oder: Metastasio  /  Reutter d.  J. 1735,  [fol.  1v]. Il palladio conservato wurde zu Ehren des Geburts- tags Kaiser Karls  VI. aufgeführt. Erzherzogin Maria Theresia spielte die Clelia, Erzherzogin Maria Anna die Erennia, Gräfin Fux spielte die Albina. Vgl. außerdem Sommer-Mathis 2013, S.  109–111. 33 Vgl. Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1907, S.  202  [Eintrag vom 08. Jänner 1744]. 34 Das wurde durchaus nicht immer unkritisch gesehen. Khevenhüller schreibt, dass »nicht jedermann approbiren« wolle, »[…] daß mann die junger Herrschafften schon so fruh und fast vor allen anderen Occupationen zu dem Theatro appliciret, als wordurch das Gemüth von denen seriosen Übungen abge-
back to the  book Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa