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Karin Fenböck
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worden.30
Ebenfalls
unter den Zuschauern befand sich Cardinal Kollonitsch, aber »da
privato, massen keine Cardinale, noch jemand anderer deren fremmden Ministern ge-
laden wurden.«31 Indem der Kardinal dieser Veranstaltung inkognito beiwohnte, also
quasi offiziell gar nicht anwesend war, konnten eventuelle zeremonielle Schwierig-
keiten umgangen werden.
Die Notwendigkeit, die Zutritte zu den Kammerfesten strengstens zu reglementie-
ren und die Sitzordnung zu planen bestand aus mehreren Gründen: Nicht nur aufgrund
des oftmals beschränkten Platzes und der zeremoniell festgelegten Zulassung zu den
bespielten Räumlichkeiten, sondern auch, weil eine Einladung zu einem Kammerfest
einen für alle Hofangehörigen sichtbaren Gunstbeweis darstellte.
Hinweise auf die Handhabung des Zutritts finden sich in den Zeremonialprotokol-
len im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und in den zum Teil sehr detaillierten Tagebuch-
aufzeichnungen des schon erwähnten kaiserlichen Obersthofmeisters Khevenhüller-
Metsch, der für die Platzvergabe und den Einlass zuständig war. Aus ihnen geht hervor,
dass die strenge Handhabung des Zutritts zu den Kammerfesten auch aus dem Ansin-
nen begründet wurde, die herrschaftliche Würde der DarstellerInnen zu wahren:
Zu Lebzeiten Kaiser Karls
VI. traten die spätere Kaiserin und ihre Schwester Maria
Anna noch selbst als Sängerinnen und Tänzerinnen auf.32 Noch während der Proben
zu L’Ipermestra (Libretto: Pietro Metastasio / Musik: Johann Adolf Hasse, Luca Predieri;
8. Jänner 1744, anlässlich der Hochzeit von Erzherzogin Maria Anna mit Karl von
Lothringen) wurde allerdings befunden, dass sich ein Auftritt auf der Bühne nicht
schickte.33 Kaiserin Maria Theresia trat ab diesem Zeitpunkt nur mehr als Zuschauerin
in Erscheinung. Dergleichen Bedenken schienen sich aber nicht auf die kaiserliche
Familie und schon gar nicht auf hochadelige Theateramateure im wahrsten Sinn des
Wortes zu erstrecken. Die Erzherzöge und Erzherzoginnen wurden, kaum dass sie
gehen konnten, in die Kammerfeste eingebunden, wo sie zunächst kleinere Aufgaben
bekamen. Die älteren Kinder durften größere Rollen spielen und tanzen.34 Die älteste
Erzherzogin Maria Anna (1738–1789) trat immer wieder nicht nur als Schauspiele-
30 Vgl. ebd., S. 31 [Eintrag vom 28. Februar 1745]. Gemeint ist vermutlich Prinz Ferdinand von Braun-
schweig-Wolfenbüttel (1735–1806).
31 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1908, S.
31
[Eintrag vom 23.
Februar 1745]. Gemeint ist Sigismund
Graf Kollonitz von Kollógrad (auch Kollonitsch) (1677–1751).
32 Vgl. zum Beispiel Metastasio / Caldara 1735, [fol. 1v]; Le grazie vendicate wurde im Auftrag von
Kaiser Carl
VI. für den Geburtstag der Kaiserin Elisabeth komponiert. Die damalige Erzherzogin Maria
spielte die Eufrosine, Erzherzogin Maria Anna die Aglaia und ihre Aja Gräfin Fuchs spielte die Ta-
lia
[sic]. Oder: Metastasio
/ Reutter d. J. 1735,
[fol.
1v]. Il palladio conservato wurde zu Ehren des Geburts-
tags Kaiser Karls
VI. aufgeführt. Erzherzogin Maria Theresia spielte die Clelia, Erzherzogin Maria Anna
die Erennia, Gräfin Fux spielte die Albina. Vgl. außerdem Sommer-Mathis 2013, S.
109–111.
33 Vgl. Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1907, S.
202 [Eintrag vom 08. Jänner 1744].
34 Das wurde durchaus nicht immer unkritisch gesehen. Khevenhüller schreibt, dass »nicht jedermann
approbiren« wolle, »[…] daß mann die junger Herrschafften schon so fruh und fast vor allen anderen
Occupationen zu dem Theatro appliciret, als wordurch das Gemüth von denen seriosen Übungen abge-
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur