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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 504 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Karin Fenböck 504 Noch unter der Regierung Karls  VI. wurden hauptsächlich italienische Burlesken aufgeführt, an denen wie erwähnt hin und wieder auch die spätere Kaiserin Maria Theresia und ihre Schwester, Erzherzogin Maria Anna, teilnahmen. Zur selben Zeit gewannen die französische Sprache und Kultur an Einfluss,76 vor allem seit der Hoch- zeit Maria Theresias mit Franz Stephan von Lothringen, der seinen ganzen Hofstaat, darunter viele Gelehrte und Künstler nach Wien mitgebracht hatte. Der verstärkte Einfluss der französischen Kultur manifestierte sich lange vor der Einrichtung des französischsprachigen Theaters nächst der Burg in den privaten Adelsaufführungen beziehungsweise den Kavalierstheateraufführungen und Kinder- komödien am Hof. Ab Mitte der 1740er Jahre wurde hauptsächlich französisches Re- pertoire gegeben, wie etwa 1744 Marivauxʼ Arlequin poli par l’amour.77 »Die älteste Ertz herzogin«78 übernahm die Rolle der Schäferin und Khevenhüllers Tochter Maria Josephina (1729–1798) die der Fee. Das Stück wurde am 29. Jänner 1752 im Theater nächst der Burg erstmals aufgeführt.79 1747 wurde anlässlich des Geburtstags des Kaisers Germain-François Poullain de Saint-Foixʼ L’Heureuse épreuve gegeben, dazu wurde bei einer Vorstellung eine kleine Szene aus Edmé Boursaults Esope à la ville aufgeführt.80 Am 4.  Februar 1748 wirken »die junge Herrschafft und einige andere Kinder von Adel«81 in La Famille extravagante mit. Wie meist gibt Khevenhüller den Autor nicht an, es könnte sich dabei um Marc-Antoine Legrands comédie avec divertissement handeln, die 1709 in Paris uraufgeführt wurde.82 Die erste Aufführung im Theater nächst der Burg ist hier erst für 1759 nachzuweisen.83 1749 spielten die jungen Herrschaften wie schon erwähnt Graffignys Zamin et Zénize.84 Aus Khevenhüllers Tagebuch geht hervor, dass Madame Graffigny mit Les Saturnales85 zumindest einen Einakter speziell für den Wiener Hof schrieb, der 1752 als Kinderkomödie aufgeführt wurde.86 Die meist einaktigen Stücke, die von den Kindern 76 Vgl. u.  a. Montesquieu 1998, S.  328. Zum Gebrauch der französischen und italienischen Sprache vgl. auch Braun 2008, S.  181 sowie Brown 1991, S.  2. 77 Vgl. Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1907, S.  206  [Eintrag vom 27. Jänner 1744]. Marivaux Arlequin poli par l’amour wurde 1720 uraufgehührt. Vgl. Beauchamps 1735, S.  296–297. 78 Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1907, S.  206  [Eintrag vom 27. Jänner 1744]. 79 Vgl. Zechmeister 1971, S.  241. 80 Vgl. Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1908, S.  182  [Eintrag vom 15.  Oktober 1747]. An diesem Abend wurde auch noch ein Einakter namens L’impromptu de campagne gespielt. 81 Khevenhüller -Metsch  /  Schlitter 1908, S.  209  [Eintrag vom 4.  Februar 1748]. 82 Vgl. Parfaict, Bd. III, 1767, S.  472. 83 Vgl. Zechmeister 1971, S.  508. 84 Vgl. Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1908, S.  357  [Eintrag vom 09.  Oktober 1749]. 85 Vgl. Khevenhüller-Metsch  /  Schlitter 1910, S.  67–68  [Eintrag vom 28.  Oktober 1752]. 86 Françoise d’Issembourg d’Happoncourt de Graffigny war mit einem Kammerherrn Franz Stephans von Lothringen verheiratet gewesen, von dem sie sich aufgrund seiner Gewalttätigkeit trennte. Nach dem Zerfall des Lothringischen Hofes lebte sie unter anderem bei Voltaire und Madame du Châtelet, bevor
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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