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Kavalierstheater am Hof Maria Theresias
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von einer geeigneten architektonischen Beschaffenheit – ein möglichst rascher und
kostengünstiger Umbau zu einem Spielraum mit ausreichend Platz für das Publikums
musste möglich sein
– war natürlich eine bequeme und diskrete Erreichbarkeit für die
allerhöchsten Zuschauer und Mitwirkenden von Bedeutung. Durch ihre Nähe zu den
kaiserlichen Räumlichkeiten kennzeichnete sie zudem eine zeremoniell geregelte Ex-
klusivität, die noch durch die sorgfältige Handhabung des Zutritts und der Platzvergabe
betont wurde.
Diese für die verschiedenen dynastischen Festanlässe geplanten Kavalierstheater-
aufführungen, die in den immer eigens adaptierten Spiel-Räumen der kaiserlichen Resi-
denzen stattfanden, wurden nun ab etwa Ende der 1740er Jahre zusätzlich genutzt, um
die frankophile Kulturpolitik ihres Hofes gegenüber dem adeligen Publikum zu reprä-
sentieren.100 Wie die in Khevenhüllers Tagebüchern notierten Aufführungen zeigen, er-
reicht die Beliebtheit der Kavalierskomödien zwischen 1742 und 1752 ihren Höhepunkt.
Nach der Einrichtung des französischen Theaters nimmt die Zahl dieser Vorstellungen
ab, ein Zeichen dafür, dass sich das Theater nächst der Burg anstelle der alten Hof-
theater und der großzügig ausgestatteten feste teatrali bewährt hatte und das Bedürfnis
nach französisch sprachiger Unterhaltung nunmehr in den regelmäßig stattfindenden
Repertoirevorstellungen der Truppe französischer Berufsschauspieler gestillt werden
konnte.
Literatur
Anonymus 1757: Anonymus: Répertoire des Théâtres de la Ville de Vienne Depuis
l’Année 1752. Jusqu´à l’Année 1757, Wien 1757.
Anonymus 1818: Anonymus: Répertoire général du théâtre français, composé des Tra-
gédies, Comédies et Drames des Auteurs du premier et du second ordre […].
Théâtre du second ordre, Bd. 7, Comédies en vers, Paris 1818.
Beauchamps 1735: Beauchamps, Pierre-François Godard de: Recherches sur les théâtres
de France, depuis l’année onze cens & un; jusques à présent, Bd. 2, Paris 1735.
Benedik 1990/91: Benedik, Christian: Die Repräsentationsräume der Wiener Hofburg
in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Das achtzehnte Jahrhundert und
Österreich 1990/1991, S. 7–21.
Benedik 2009: Benedik, Christian: Zeremoniell und Repräsentation am Wiener Hof un-
ter Franz Stephan von Lothringen, in: Zedinger, Renate; Schmale, Wolfgang (Hg.):
Franz Stephan von Lothringen und sein Kreis (= Jahrbuch der Österreichischen
Gesellschaft zur Erforschung des 18.
Jahrhunderts, Bd.
23), Bochum 2009, S.
79–93.
100 Vgl. dazu Ehalt 1980, S. 79.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur