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»MEISTERSTÜCKE DER ERFINDUNG«
UND KONKRETE WIRKLICHKEIT:
INSZENIERUNG HERRSCHAFTLICHER RÄUME
IM BÜHNENBILD. CARLO GALLI BIBIENAS
ENTWÜRFE FÜR BAYREUTH
Babette Ball-Krückmann
Bühnenbilder waren von Beginn an ein wesentliches Element in der Aufführungspraxis
der Opera seria. Zahlreiche Skizzen, Zeichnungen und Ricordi ermöglichen auch heute
noch einen guten Einblick in die damalige Situation. Vielfach lassen sich die Entwürfe
in die allgemeine Bühnenbildtypologie einreihen. Oft aber ist nicht bekannt, ob und
dann um welche konkrete Inszenierung es sich handeln könnte. Anders liegt der Fall
bei den Aufführungen, die im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth auf der Bühne
gezeigt wurden. Hier war Carlo Galli Bibiena im ersten Jahrzehnt für die gestalterische
Seite verantwortlich. Viele seiner Entwürfe konnten inzwischen zusammengetragen
und zugeordnet werden.1 Dadurch ist mittlerweile ein recht guter Einblick in die opti-
sche Ausgestaltung der Bühnenstücke möglich, was wiederum einen präziseren Blick
auf die Wirkung und Aufgabe der Bühnenbilder erlaubt. In manchen Fällen gehen sie
nicht nur merklich über das allgemeine typologische Repertoire hinaus, sondern be-
ziehen die reale fürstliche Umgebung mit ein. Dadurch wiederum wurde die imaginäre
Verbindung zwischen dem mythologischen bzw. historischen Herrscher und Held der
Oper sowie dem Fürsten im Bild gegenwärtig.
Markgräfin Wilhelmine, das Markgräfliche Opernhaus
und Carlo Galli Bibiena
Die ersten Auftraggeber, denen Carlo Galli Bibiena gegenüberstand, waren das Mark-
grafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth. Im Vordergrund stand dabei die
Markgräfin, in deren Händen seit 1737 die Leitung der Oper lag. Sie war sowohl mit
dem Engagement geeigneter Sänger und Musiker befasst als auch an der Auswahl der
Opern maßgeblich beteiligt. Für einige schlüpfte sie in die Rolle der Librettistin, womit
sie auch direkten Einfluss auf die Bühnengestaltung gewonnen hat. Auch war sie in
1 Vgl. hierzu Ball-Krückmann 2009, S.
241–267, mit ausführlichen Angaben und Literaturverweisen zu
den einzelnen Bühnenbildern. Im Anhang findet sich außerdem eine Auflistung sämtlicher Verwand-
lungen der Opern, die im Markgräflichen Opernhaus zwischen 1748 und 1756 aufgeführt wurden.
Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen
Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019.
DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur