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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 515 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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»Meisterstücke der Erfindung« und konkrete Wirklichkeit 515 Er wurde durch Kerzen beleuchtet, deren Licht von unzähligen Goldpunkten schim- mernd reflektiert wurde. Nachdem das Markgrafenpaar eingetroffen war, in der Fürs- tenloge Platz genommen hatte und mit Fanfarenklängen von den Trompeterlogen aus begrüßt worden war, hob sich der Bühnenvorhang. Der Blick schließlich in den Büh- nenraum mit seiner übersteigerten Pracht dürfte alle Erwartungen übertroffen haben. Noch einmal hat Carlo in Grundriss und Anlage auf die Halle des Ezio zurückgegrif- fen. 1753 wurde am 10.  Mai das Dramma per musica Semiramis anlässlich des Geburts- tags des Markgrafen aufgeführt und eine Woche später wiederholt. Das 7. Bild (III. Akt, 1 Szene) sollte einen »Saal« darstellen (Abb.  2).9 Hier stehen nun glattwandige Säulen auf niedrigen Sockeln, lediglich akzentuiert von ionischen Kapitellen. Wieder tragen sie vorkragende Gebälkstücke, auf welchen einfache schmucklose Konsolen ruhen, die die mit Profilleisten untergliederte Kassettendecke stützen. Im Hintergrund öffnet sich der Raum mit einem Triumphmotiv in eine zweite Halle, von der aus schließlich Säu- lengänge weit in die Tiefe fluchten. Die Vereinfachung der Komposition, vor allem was den architektonischen Aufbau und den Dekor anbelangt, kann durchaus als Ankün- digung eines zurückhaltenderen Stilempfindens gewertet werden und rückt das Blatt gleichzeitig in die Nähe des »Sonnentempels« (Abb.  3), den Carlo ebenfalls für diese Oper entworfen hat. Ezio vergleichbar wird der festliche Charakter vor allem durch die Dichte der Schmuckformen hervor- gerufen, die zugleich Elemente des Zuschauerraumes aufgreifen. Allen voran wieder die auffällig plat- zierten Waffentrophäen auf dem Gesims und die mit Blüten- und Blätterranken umwundenen Säulen, wie auch die seitlichen Trompeterlogen in abgewandelter Form das Proszenium selbst wiederholen: das Bühnenportal, rechts und links eingefasst von Trompeterlogen  – hier freilich in anderen Dimensionen. Ball-Krückmann 2009, S.  246–247; Abb.  4. 9 Feder in Schwarz, braun und blau laviert, 670  ×  368  mm; Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Inv. Nr. HdZ 6373. Ball-Krückmann 2009, S.  253–254. Libretto in der UB Erlangen (EZ II 1135). Abbildung  3.  Carlo Galli Bibiena, »Tempel der Sonne«, 4. Bühnenbild der Oper Semiramis, Bayreuth 1753.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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