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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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L’Architecture dansante  –  Tanz,  Geometrie  und  Raum  in  der  höfischen  Festkultur  um  1700 575 Über diesen verallgemeinerten Hinweis auf die Stilistik des Barocktanzes geht Frey je- doch nicht hinaus  – das elementare Wesen dieser Tanzform zwischen statischem und labilen Gleichgewichtzustand (équilibre)35 in fest geregelten geometrischen Figuren läge hier jedoch für weitere Vergleichbarkeiten nahe. In der kunstwissenschaftlichen Analytik Freys findet man immer wieder Bezüge zu Tanz und Musik, zu Rhythmus und Metrik. So beispielsweise bei der Erläuterung der Gliederung und des Aufbaus der Fassadengestaltungen Fischer von Erlachs. Dabei nutzt er u.  a. auch die Möglichkeiten einer grafischen Notation mit Thesis und Arsis, wie sie auch für die Sprachkunst Ver- wendung finden.36 Auf eine Beziehung zur Rhetorik haben in der Tanzforschung u.  a. auch Patricia Ranum und B. Betty Mather hingewiesen, die Gemeinsamkeiten in der rhythmischen und metrischen Struktur französischer Barocktänze mit dem Versmaß und Aufbau der mustergültigen Rede nach antikem Muster thematisierten.37 Für das 17.  Jahrhundert kann hier besonders Marin Mersenne herangezogen werden, der im zweiten Teil seiner Harmonie Universelle (1636) solche Verbindungen zwischen den französischen Tanzformen und der Sprachkunst der griechischen Antike hergestellt hat.38 Dieser immer wieder gesuchte Bezug zu den Artes liberales, hier insbesondere zur Geometrie, Musik, Arithmetik und Rhetorik, ist Tanz- und Architekturtheorie jener Zeit gemeinsam. Bei beiden ist es die Bemühung um die Anerkennung als Wissenschaft und höhere Kunstform. Im Prinzip der Geometrie überlagern sich die Ordnungsvor- stellungen beider Disziplinen, des über den ›geometrischen‹ und ›mechanistischen‹ Körper definierten Tanzes und der den räumlichen Rahmen vorgebenden Architektur. Seit archaischer Zeit wird dem Tanz ein geometrisches Moment zugesprochen, das selbst in einer Augustinus zugeschriebenen Bemerkung impliziert ist: »Chorea est circulus, cuius centrum est diabulus.«39 Neben dem Bezug auf einen Mittelpunkt bei Kreistänzen, entlang einer Linie bei Reihentänzen oder der Zentrierung auf sich selbst gewinnen im Laufe der Entwicklung des höfischen Tanzes im 17.  Jahrhun- dert der Aufführungsort und damit die Orientierung am Raum zunehmend an Bedeu- tung.40 Doch bereits im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Bassedanse im Verlauf des 16.  Jahrhunderts scheint »ein veränderter Umgang mit dem Raum zum Tragen«41 gekommen zu sein. In den frühneuzeitlichen Tanztraktaten steht da- her die Vorstellung und Vorgabe des räumlichen Rahmens stets am Beginn: »Der Saal oder das Theatrum ist derjenige Ort und Platz, auf dem getanzet wird, und welcher 35 Der Begriff équilibre wird von Rameau als zentrales Moment des kinästhetischen Ideals der Körperbe- herrschung im Tanz eingesetzt. Rameau 1725a, S.  187. 36 Siehe dazu die Beschreibung der Fassade der böhmischen Hofkanzlei in Wien von Frey 1923, S.  149. 37 Mather 1987, S.  7, 13–15; Saftien 1994 , S.  17; Ranum 1986. 38 Blomkvist 1996, S.  39–40. 39 Böhme 1886, S.  93, Anm. 2. 40 Zur Geometrie der Tanzfiguren in der frühen Neuzeit siehe besonders: Franko 1993, S.  15–31. 41 Saftien 1994, S.  50–51.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa