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nigstenshörtmannichtmehrvonihnen.DereinebesitztHäuserundDienerschaft,als
hätte er sienachFamilienrecht geerbt.Der anderehat eineFraugeheiratet, die keine
Landsmännin ist, sondern Syrerin oderArmenierinundmanchmal sogar eine Sara-
zenin,diedieGnadederTaufe empfangenhat.53
Fulcher wird falsch verstanden, wennman sein Gotteslob für das Leben im
Orient als Beleg für einenKulturwandel derKreuzfahrer, gar eineVersöhnung
der Religionsgemeinschaften einbindet. Dass Zuwanderer »manchmal sogar«
getaufteSarazeninnengeheiratethätten,zeigt,dasssichdieFrankenwenn,dann
mit einheimischenChristinnenverehelichtenunddass interreligiöse Ehen für
Fulcherundenkbarwaren. In entdeckenundverstehen fehlt genauderHinweis
aufdieTaufe;sooffenbartdieFrage,»wieeslautQ2zurAnnäherungundeinem
friedlichen Zusammenleben von Christen undMuslimen kam«, einen Denk-
fehler. InGeschichteRealwirddas Problemgar nicht erst erkannt und imge-
kürztenQuellentext ist nur vonderSyrerindieRede.
ErschlichenwirddieVersöhnung auch in zeitreise, wennGesprächspartner
den Unfrieden beklagen und sich zumVorbild für Freundschaft, gar Religi-
onsausgleichmachen. »DasGesprächzwischendemaltenKreuzfahrerFulcher
unddemMuslimUsamaisterfunden.AberÜberlegungen,wiesiesievortragen,
hatesdamals imHeiligenLandwirklichgegeben.«54DabeizerschilltdieFiktion
schon, wennman die Schulbuchquellen von Fulcher undUsama auf der Ge-
genseite genau liest. Suchtmannachder lebenszeitlichenÜberschneidung ist
Fulcher ein alterMann, der den zitiertenTextwegendes [imSchulbuchnicht
zitierten]BezugsaufeineSonnenfinsternisfrühestens1124geschriebenhatund
wegendesAbbruchs seinerDarstellungwohlwenig später gestorben ist, wäh-
rendUsa¯maein jungerErwachsener ist, der 1119 sein erstesGefecht gegendie
Franken geführt hat. Sowird die Basis für »Freundschaft«, gar Religionsaus-
gleich inder vondenAutoren intendiertenNähe sehr schmal. Fünfder sieben
AufgabenbeziehensichaufdieVerarbeitungdesGesprächsundderQuellenmit
demZiel, einen»ProtestbriefandenPapstüberdieUntatenneuankommender
Kreuzfahrer« schreibenzu lassen.55
DainneuenSchulbüchernvermehrtkindertümlicheIllustrationeneingesetzt
werden, istnocheine Jugendbuchillustrationanzusprechen, aufdereinFranke
als Orientale dargestellt wird.56 Joshua Prawer schreibt über »die Welt der
Kreuzfahrer«,dass sichdieKleidungsordnunggeradenicht anpasste:
53 HeinrichHagenmeyer (Hg.), Fulcheri Carnotensis Historia Hierosolymitana (1095–1127),
Heidelberg:Winter, 1913, 748–749 (ÜbersetzungBiener).
54 ZeitreiseA2, 36–37:MuslimeundChristen imHeiligenLand,36.
55 Ebd., 37.
56 GeschichteReal2,36:»Kreuzfahrer. Jugendbuchillustration«; laut256:»Aus›Wasistwas?‹–
DieKreuzzüge,Tessloff 1993«, 23.
»Mythos«ersterKreuzzug 149
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Title
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Subtitle
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Authors
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Editor
- Christoph Kühberger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 294
- Category
- Lehrbücher