Page - 100 - in Niclas Khueperger - (1531 bis 1597)
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gab an, sie habe zu Augsburg noch 18.000 fl ausständig. Bischoff forderte die
Freistädter auf, ihm 20.000 fl (2.000 + Darlehen) vom Mautjahr zu übergeben. Am
selben Tag, dem 5. Jänner 1596, kündigte Bischoff jedoch schlussendlich wegen
Schwierigkeiten die Übernahme auf. Es folgten langwierige Verhandlungen und am
22. Februar 1596 befahl die kaiserliche Hofburg der niederösterreichischen Kammer
mit der Einweisung Bischoffs in die Maut fortzufahren.536
Frau Pracher jedoch ließ sich nicht mit einer Teilsumme abfertigen, sondern
verlangte die ganze Summe von 20.000 fl. Der daraus resultierende Streit
beinhaltete sogar Tätlichkeiten. So ließ die Pracherin die Türen verschlagen,
Bischoffs Pettschaft von der Kassa reißen, verweigerte die Übergabe der Wohnung
und des Inventars. Sie stellte einen Mann zur Vermautung an, ließ die Maut von
ihrem eigenen Dienstpersonal durchführen, worauf Bischoff erbittert anordnete, die
Schlösser gewaltsam zu erbrechen. Beide wandten sich an die Hofkammer, die
jedoch nur zu beschwichtigen suchte.537
Am 1. März 1596 teilte Ks Rudolf II. seinem Bruder EH Matthias mit, daß er der
Besetzung der Mautstelle in Linz mit Sebastian Bischoff zustimme unter der
Bedingung, dass dieser das Darlehen von 24. 000 fl auch gewähre. Hans Adam
Gienger, Vitzthum in Österreich odE meldete am 17. März 1596 dem EH Matthias,
dass das Mautamt samt Amtskasse, Inventar und Schlüssel an Sebastian Bischoff
übergeben worden sei.538
Ende März 1596 reiste die Pracherin, der Vertröstungen der Hofkammer müde, zum
Kaiser nach Prag, wo dieser von 1583 bis 1612 residierte, und bat ihn um Hilfe.
Rudolf II. stellte sich auf die Seite der Pracherin und ordnete an, dass Bischoff sein
Amt erst dann antreten könne, wenn er die gebotene Summe von 24.000 fl und dazu
12.000 fl erlegt hätte. Frau Pracher ließ daraufhin überall Bischoffs Schlösser
herabschlagen und nahm das Mautamt wieder völlig in Besitz. Bischoff zögerte die
zweite Ratenzahlung hinaus und forderte, für den Fall, dass nicht endlich Ordnung
geschaffen werde, seine 10.000 fl, für welche der OdE Vizedom persönlich die
Haftung übernommen hatte, zurück. Die Hofkammer versuchte nun vergeblich, der
Pracherin ihre Forderung der 12.000 fl auf die unterennsische Landschaft
verschriebenen Gulden strittig zu machen bzw das Geld aufzutreiben.539
Bischoff teilte am 5. September 1596 der ksl Hofkammer mit, dass er nicht imstande
sei, neben seinem Darlehen von 26.000 fl weitere 13.000 fl darzuleihen und bat um
neuerliche Resolution.540
Als Bischoff Anfang 1597 der Frau Nickhartin / Niedhartin (Frau Pracher hatte
inzwischen nach Steyr geheiratet, Heinrich Niedhart war 1598 sogar Gerhabe der
Stieftochter Sebastian Bischoffs !) 6.000 fl bot, nahm diese das Geld nicht, sondern
behielt das Amt. Die Zustände im Amt waren nicht die besten, Gegenschreiber und
Beschauer hofften täglich auf Bischoffs Eintritt, klagten, die Frau habe keinen Eid
geleistet, verstünde nichts von Mautgeschäften und lebe in Steyr, begehrten
wenigstens einen Verwalter. Daraufhin versprach der Kaiser Bischoff für weitere
16.000 fl das Amt, verwies ihn damit teils auf die Maut, teils auf die obderennsische
Landschaft. Frau Nickhartin sollte bis Ende 1598 ihr Geld erhalten.541
536
OÖLA, StAF, VII Vermögen, Schulden der Stadt, Sch. 161, 1. Teil. 1521-1593, fol .9, dat. 24. Jänner 1596;
AStL, LR C III F3 Nr. 578 ff.
537
Schendl, Mautner Linz, 43 f.
538
AStL, LR C III F 3 / 2096, 2099, 2138.
539
Schendl, Mautner Linz, 42 ff.
540
AStL, LR C III F 3 / 2096 (2099, 2138).
541
Schendl, Mautner Linz, 42 ff.
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book Niclas Khueperger - (1531 bis 1597)"
Niclas Khueperger
(1531 bis 1597)
Bürgermeister der Stadt Linz zur Zeit der Reformation und Gegenreformation
- Title
- Niclas Khueperger
- Subtitle
- (1531 bis 1597)
- Author
- Hanna und Herbert Schäffer
- Publisher
- Eigenverlag
- Location
- Linz
- Date
- 2013/2015
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 21.0 x 29.0 cm
- Pages
- 162
- Category
- Geographie, Land und Leute