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Nach dem für sie unerklärlichen Verschwinden ihres Sohnes erstattete M. F. am 22. Januar
1947 eine Abgängigkeitsanzeige, jedoch ohne Erfolg. Vergeblich setzten seine Gesinnungs-
genossen alle Hebel in Bewegung, um eine Intervention offizieller österreichischer Stellen
bei den sowjetischen Behörden zu erwirken. Karl Fischer wurde in die Sowjetunion ver-
schleppt und trotz eines Selbstmordversuches bis 1955 in mehreren Gulags in Nordost-
Sibi
rien (Magadan, Jagoda, Maxim Gorki, Dnjeprowsk, Lazo), dann ab April 1952 im Poli-
tisolator „Alexandrowsk“ bei Irkutsk inhaftiert.
M. F. erfuhr vom Schicksal ihres Sohnes erst sehr spät und konnte trotz vielfacher Ansuchen um
Gestattung des Briefwechsels erst im Frühjahr 1955 mit ihm schriftlich Kontakt aufnehmen.
Mittlerweile von Linz nach Wien zurückgekehrt, konnte sie ihren im Zusammenhang mit
dem Abschluss des österreichischen Staatsvertrages aus der Sowjetunion repatriierten Sohn
Karl im Juni 1955 in Wiener Neustadt empfangen und wieder bei sich in ihrer Wiener
Wohnung in der Gusenleithnergasse aufnehmen. Während ihrer Pension betreute sie die
Grinzinger Wohnung des Jugendfreundes ihres Sohnes, Josef Hindels, weshalb sie von ih-
rem inzwischen geborenen Enkel auch „Grinzinger“ genannt wurde.
M. F. starb am 6. Februar 1962 nach einem Schlaganfall in Wien. Sie ist wie ihr Sohn Karl
Fischer und ihre Schwiegertochter Maria Johanna Fischer in Ilz, Steiermark, begraben.
Qu.: Dokumente (Originale in Privatbesitz): Bestätigung der Abgängigkeitsanzeige, Bun-
des-Polizeikommissariat Urfahr, Kriminalabteilung vom 25. April 1947; Entlassungsschein
des Frauenstrafgefängnisses Leipzig-Kleinmeusdorf vom 20. April 1945; Maria Fischer, ers-
te Postkarte an Karl Fischer in der UdSSR vom 26. April 1955; Ordnungsstrafbescheid des
Reichstreuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Wien-Niederdonau vom 27. Januar
1941; Schutzhaftbefehl des Reichssicherheitshauptamtes Berlin vom 13. Mai 1943; Sterbe-
urkunde Amalie Fischer, Standesamt Brünn-Stadt, Nr. 816/1943 vom 17. August 1943;
Sterbeurkunde Maria Fischer, Standesamt Wien-Penzing, Nr. 1130/1962 vom 8. Februar
1962; Tagesberichte der Gestapo, 1. November 1943–31. Dezember 1943, Dokumentations-
archiv des österreichischen Widerstandes, Nr. 8477.
L.: Arbeitsgruppe Marxismus 2001, Barron 1974, Dewar 1951, Fischer 1990a, Karner 1995, Kel-
ler 1980, Keller 1980a, Keller 1980 b, Killian 2005, Kuschey 2003, Scheuer 1991, Seipel 1997, An-
klage 7J 327/43. Meldung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse
– Nr. 5 (30. 4. 1943). Urteil 5H
102/43 –7J 327/43. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933–1945: http://
db.saur.de/DG20/, DÖW: Nicht mehr anonym – Fotos aus der Erkennungsdienstlichen Kar-
tei der Gestapo Wien: http://www.doew.at/, Kanzler, Christine: Fischer, Maria (Marie); Deck-
name: Netz, Seidenwinderin und Widerstandskämpferin: www.univie.ac.at/biografiA/, http://
de.wikipedia.org/wiki/Maria Fischer, http://de.wikipedia.org/wiki/Karl Fischer
Roland Fischer
Fischer Rosa; Zwangsarbeiterin
Geb. 24. 12. 1886
Gest. Wien, 24. 8. 1944
Herkunft, Verwandtschaften: Stammt aus Ungarn.
Laufbahn: R. F. wurde mit zahlreichen anderen LeidensgefährtInnen im Sommer 1944 aus
Ungarn verschleppt und musste im Gaswerk Simmering und im Jüdischen Spital in der
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika