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Flachberger | F 839
Laufbahn: Ging 1922 mit der Familie nach Berlin, war ab 1930 als Übersetzerin tätig. Poli-
tisch in der linken antifaschistischen Bewegung aktiv. Nach Hitlers Machtübernahme wur-
de sie aufgrund ihrer politischen Tätigkeit und jüdischen Herkunft gekündigt. Wegen der
drohenden Verhaftungsgefahr ging sie in den Untergrund und flüchtete unter der Identität
ihrer Schwägerin Eva Rosenthal im Herbst 1933 zu ihren Verwandten nach Leitmeritz.
Unterstützt wurde sie von der tschechischen Gewerkschaft (Zentralverband der Angestell-
ten), hatte Kontakte u. a. zu Franz Pfemfert, Hrsg. der expressionistischen Zeitschrift „Ak-
tion“ und John Heartfield. Bekanntschaft auch mit B. Frei, der zu seinem geplanten Buch
über den Fall Hanussen recherchierte. Gerichtsvorsitzender im Mordprozess Hanussen war
Robert Schalek (ermordet in Auschwitz), ein Onkel von L. F. Über Vermittlung von B. Frei
erhielt L. F. einen tschechischen Interimspass. Anschließend hielt sie sich 1935 bis 1938 in
Basel auf. Zusammen mit H. Fittko Herstellung antifaschistischer Flugschriften für den
Widerstand im Deutschen Reich und Aufbau von Kontaktstellen in Frankreich. Nachdem
einem Auslieferungsbegehren der Gestapo für H. Fittko durch die Schweiz stattgegeben
wurde, gemeinsame Flucht nach Amsterdam. Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit. Mit
wechselnden Quartieren war sie Anlaufstelle für Flüchtlinge und Widerstandskämpfer aus
Deutschland. Nach Verhaftung ihrer Kontaktpersonen in Deutschland floh sie 1938 nach
Paris, wo bereits die Eltern und der Bruder lebten. Wechselnde Unterkünfte, von Obdach-
losigkeit bedroht. Arbeitete als Haushaltsgehilfin, Kindermädchen und schrieb Adressen
für den Versand von Firmen. Sie wurde 1939 in Gurs, Südfrankreich interniert, danach in
Marseille und in verschiedenen Orten an der französisch-spanischen Grenze. Mit ihrem
Mann und Varian Fry sowie in Zusammenarbeit mit dem Emergency Rescue Committee
leistete sie bis 1941 Fluchthilfe für deutsche und österreichische Hitler-Verfolgte über die
Pyrenäen, unter anderem half sie auch Walter Benjamin. 1941 emigrierte sie nach Kuba.
Arbeitete in Havanna in einer Ausbildungsstätte für deutschsprachige jüdische Flüchtlinge.
1948 Einreiseerlaubnis in die USA. Dort war sie als Fremdsprachenkorrespondentin und in
der Administration der University of Chicago tätig. Engagement in der Friedensbewegung.
1974 Pensionierung.
Ausz.: Bundesverdienstkreuz der BRD.
Qu.: Tagblattarchiv (Personenmappe).
W.: „Mein Weg über die Pyrenäen“ (1985), „Solidarität unerwünscht. Erinnerungen 1933–
1940“ (1992)
L.: Bolbecher/Kaiser 2000, Douer/Seeber 1995, ÖNB 2002, Wimmer 1993
Flachberger Ingeborg; Ethnologin und Lehrerin
Geb. Salzburg, Sbg., 10. 12. 1929
Herkunft, Verwandtschaften: Mutter: Viktoria; Vater: Franz Flachberger, Gerichtsbeamter.
Älteste von vier Geschwistern.
Ausbildungen: Pflichtschule, 2 Jahre Handelsschule.
Laufbahn: Zunächst konnte sie wegen der großen Familie nicht studieren. Seit 1947 ver-
diente sie ihren Lebensunterhalt selbst als Stenotypistin in einer Rechtsanwaltskanzlei und
beim Bezirksgericht St. Pölten. Während ihrer Berufstätigkeit legte sie die Erste KanzlerIn-
nenprüfung, die GrundbuchführerInnenprüfung, die BeamtInnenmatura, die ExternistIn-
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika