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biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
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Fleischer | F 845 Firmengesellschafter des Leo Fleischer Verlags; Eheschließung 22. 7. 1927 Wien; Tochter: Lieselotte (geb. 20. 8. 1938 in Wien). Ausbildungen: F. F. besuchte die Schule des Sacre-Coeur in Wien und besaß Kenntnis meh- rerer Fremdsprachen. Das Jusstudium wurde an der Universität Wien erst nach der Republikgründung für Frauen geöffnet. Somit zählte F. F. zu den ersten Frauen, die gleich nach erfolgter Reifeprüfung die- se Ausbildung wählen konnten. Rechtsstudium an der Universität Wien, 1. Staatsprüfung am 13. 4. 1923, 2. Staatsprüfung am 30. 6. 1925, 3. Staatsprüfung am 18. 12. 1925, Promotion zum Dr.iur. am 21. 12. 1925; Arbeit mit den Professoren Walker und Kelsen; daneben Stu- dium an der Hochschule für Welthandel. Gerichtspraxis länger als das vorgeschriebene Jahr. Anders als die meisten ihrer Kolleginnen stammte F. F. nicht aus einer Rechtsanwaltsfamilie und konnte daher die erforderlichen Praxiszeiten auch nicht in der väterlichen Kanzlei ab- solvieren. Es gelang ihr jedoch, als Rechtsanwaltsanwärterin bei Dr. Robert Pelzer, der zu jener Zeit im Vorstand der Liga für Menschenrechte war, aufgenommen zu werden und arbeitete in seiner Kanzlei von 1. 1. 1929 bis 30. 11. 1933. Laufbahn: Am 31. 7. 1934 wurde F. F. in die Rechtsanwaltsliste eingetragen. Ihre Kanzlei be- fand sich an der Adresse Wien 1, Grünangergasse 2, wo das Ehepaar auch wohnte. Dort fan- den zwischen 1934 und 1938 die Zusammenkünfte des sogenannten Fleischer-Kreises statt. Diese „wissenschaftlichen Salons“ waren Diskussionsrunden von Wissenschaftern, Rechts- experten und Sozialarbeitern. Zudem befand sich an dieser Adresse der Sitz der Firma Flei- scher  – eines Zeitungsverlags  – von dessen Einkünften Georg Fleischer leben konnte, ohne einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Er war als Volksbildner in der Volkshochschule Ottak- ring tätig und führte das Leben eines Privatgelehrten im Umkreis Hans Kelsens. Neben ihrer Tätigkeit als Rechtsanwältin arbeitete F. F. unentgeltlich in der Rechtshilfestelle der Ge- meinde Wien und anderen sozialen Einrichtungen. Obgleich F. F. der römisch-katholischen Kirche angehörte, galt sie nach den Nürnberger Rassengesetzen als Jüdin und wurde daher mit Ablauf des Jahres 1938 aufgrund der Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes aus der Rechtsanwaltsliste gelöscht. Per 22. 2. 1939 wurde Familie Fleischer als ausgereist abgemeldet. Sie gelangten in die USA, wo sich die berufliche Neuetablierung für die Fleischers besonders schwierig gestaltete. Aufgrund der Arisierung des Vermögens waren sie nun aber gezwungen, Einkünfte zu erzielen. Wegen der völlig unterschiedlichen Rechtssysteme war es jedoch un- möglich, ohne nochmaliges Studium wieder im juristischen Bereich tätig zu werden. Georg Fleischer trat nach 1943 in den amerikanischen Staatsdienst ein, ob bzw. in welchem Bereich F. F. in den USA einem Beruf nachging, ist bislang nicht bekannt. Ab 1948 bemühte sich Georg Fleischer als Erbe nach seinem Vater um die Rückstellung der Verlagsrechte. Zu die- sem Zeitpunkt lebte er als Angestellter des US-Kriegsministeriums in Offenbach/Main in Deutschland, vermutlich war das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt. Qu.: Archiv der RAK Wien, WStLA (Meldeunterlagen), ÖStA/AdR (VA Georg Fleischer), AAVW Papers (American Association of University Women), War Relief Committee, Indi- vidual Cases, Friederike Fleischer. L.: Jabloner/Fleischer 2008, Sauer/Reiter-Zatloukal 2010 Barbara Sauer
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biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
biografiA.
Subtitle
Lexikon österreichischer Frauen
Volume
1, A – H
Editor
Ilse Korotin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79590-2
Size
17.4 x 24.5 cm
Pages
1422
Category
Lexika
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