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Frankenstein | F 885
Situation immer belastender wurde, versuchte sie über das Arbeitsamt einen Wechsel der Stel-
lung zu erreichen. Dabei entdeckten die zuständigen Beamten jedoch ihre wahre Identität, ihre
Arbeitgeber hatten Nachforschungen über sie angestellt, sie wurde verhaftet und blieb 63 Tage
im Gefängnis. Am 4. 3. 1944 wurde sie mit der Auflage in einem Haushalt in St.
Peter zu arbei-
ten und den Ort nicht ohne Einwilligung der Gestapo zu verlassen, freigelassen. Am 2. 4. 1944
wurde sie erneut verhaftet, nach Wien gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert. Dort
traf sie auch ihre Freundin wieder, die sich mit ihr zusammen als Ukrainerin verkleidet und zum
Arbeitsdienst gemeldet hatte. Gegen Ende des Krieges wurde sie nach Ravensbrück überstellt
und erlebte dort die Befreiung. Sie reiste zunächst nach Frankreich und traf dort einen Bekann-
ten aus der Zeit des Arbeitsdienstes, der ihr mit Hilfe eines Freundes finanziell weiterhalf, ging
zur Jewish Agency und arbeitete dort in einem Privathaushalt. Am 3. 9. 1945 reiste sie per Schiff
nach Israel und kam fünf Tage später in Haifa an. Sie arbeitete bis zu ihrer Pensionierung 1982
als Kunsterzieherin in Israel. 1985 besuchte sie zusammen mit ihrem Mann das Gut Steinkeller
und sprach mit jenen Personen, die sie damals an die Nazis verraten hatten.
L.: Ganor 1987
Frankenstein Hermine; Schriftstellerin und Übersetzerin
Geb. Wien, 22. 3. 1842
Gest. Wien, 19. 8. 1904
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Arzt.
Laufbahn: H. F. begann 1865 ihre schriftstellerische Laufbahn. Insgesamt übersetzte und
bearbeitete sie über hundert Novellen und Romane aus dem Englischen und veröffentlichte
diese in Wiener und deutschen Tageszeitungen und Zeitschriften. Seit der Gründung des
„Wiener Tagblattes“ im März 1867 war sie ständige Mitarbeiterin des Romanfeuilletons des
genannten Blattes, in den ersten Jahren für dessen Morgenblatt, seit 1870 für das im selben
Jahr gegründete Abendblatt.
Mitglsch.: Gründungsmitglied und Schriftführerin des Vereins der Schriftstellerinnen und
Künstlerinnen in Wien (1885).
W.: „Der Erbe des Hauses“ (1890), „Ein düsteres Geheimnis“ (1890), „Das Gespenst der
Marquise“ (1890)
L.: Buchegger 2002, Eisenberg 1891, Giebisch/Pichler/Vansca 1848, Schmid-Bortenschla-
ger/Schnedl-Bubenicek 1982
Frankenstein Lydia; Bibliothekarin, Krankenschwester und Kinder- und
Jugendliteraturforscherin
Geb. Wien, 5. 9. 1924
Gest. Löddeköpinge, Schweden, 14. 2. 1996
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Max Frankenstein (1888–1942 KZ Auschwitz), Re-
dakteur, er konnte zunächst nach Frankreich fliehen, wurde dann jedoch nach Auschwitz
deportiert; Mutter: Helene (Ilona) Frankenstein, geb. Schuetz (1904 – 1976), Sängerin.
Laufbahn: Ihre Eltern traten mit dem aufkommenden Nationalsozialismus nur noch unter
einem Pseudonym auf. Nach dem „Anschluss“ musste die Familie die Wohnung in Wien 9,
Grünentorgasse 19/20 verlassen. L. F. konnte zunächst nach Dänemark fliehen, wurde aber
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika