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Frey | F 911
Mitbegründerin und Vorsitzende des Austrian Committee for Relief and Reconstruction,
1947 Übersiedlung nach New York, dort Beobachterin der ICWG beim Wirtschafts- und
Sozialrat der UNO.
E. F. war in die kontroversiellen Diskussionen mit Therese Schlesinger um die Organisa-
tionsform von Frauen innerhalb der SDAP eingebunden. Sie vertrat darin den Standpunkt
der Gewerkschaften, welche politisch nichtgewerkschaftliche Frauenvereine für tendenziell
überflüssig einschätzten, sowie die Notwendigkeit der Zurückstellung der Forderung des
Frauenwahlrechts. Im Nationalrat agierte E. F. vor allem in wirtschafts- und finanzpoliti-
schen Angelegenheiten. Aus den stenographischen Protokollen wird deutlich, dass sie auf
diesem Männerterrain zum Feindbild wurde. Mit der Wahl zur Vizepräsidentin des Vorbe-
reitungskomitees für die internationale Weltwirtschaftskonferenz des Völkerbundes wurde
E. F. zu einer Symbolfigur der emanzipierten Frau, auch in den Augen der Frauen des BÖFV.
Ihr parteipolitischer Schwerpunkt lag in der Ersten Republik bei den Genossenschaften,
sie war in leitender Position am Aufbau der gemeinwirtschaftlichen Betriebe beteiligt. Mit
den Konsumgenossenschaften versuchte sie die Arbeit der Hausfrauen gesellschaftspolitisch
aufzuwerten. Den 3 K.s der Christlichsozialen, Kinder-Küche-Kirche, stellte sie vier K.s,
Kinder-Küche-Kleidung-Kaufen gegenüber und versuchte, die Hausfrauen durch Haushal-
tungskurse, Vorträge, Feste, Kasperltheater und Schokoladennachmittage samt ihren Kin-
dern zu gewinnen. Frauen konnten jedoch nur dann in den Genossenschaften mitbestim-
men, wenn sie einen Geschäftsanteil besaßen. Zwei dieser Anteile pro Familie waren selten
und so saß meist der Familienvater stimmberechtigt in den Versammlungen.
Ausz.: 2004 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) die Emmi-Freundlich-Gasse nach ihr
benannt.
Qu.: IfZ Wien, Nachlass Motzko, IfZ München; DÖW, VGA, WStLa, MA 8, Meldearchiv.
W. u. a.: „Die Frauen und die Reichsratswahlen. Sozialdemokratische Werbeschriften zum
Wahlkampf Nr.18“ (1911), „Arbeiterinnenschutz. Lichtstrahlen Nr. 24“ (1913), „Die Frauen
und die Genossenschaften. In: Gleiches Recht für die Frauen. Hg. v. Adolf Braun“ (1914),
„Die Frau in der internationalen Genossenschaftsbewegung“ (1921), „Die Hausfrau, der
Einkaufskorb und der Konsumverein“ (1922), „Die Macht der Hausfrau. Ein Aufruf an die
Hausfrauen“ (1927), „Die Frauenarbeit im Krieg. In: Leichter, Käthe (Hg.): Handbuch der
Frauenarbeit“ (1930), „Wesen, Aufgaben und Organisation der österreichischen Genossen-
schaftsbewegung. Hrsg. vom Zentralverband österreichischer Konsumvereine Wien“ (1933),
„Eine Geschichte über Genossenschaftskunde für Kinder und Erwachsene“ (1936), „Inter-
nationale genossenschaftliche Frauenkonferenz“ (1946)
L.: Baltzarek 1975, Bechtel 1989, BLÖF, Ellmeier/Singer-Meczes 1989, Hauch 1995, ÖBL,
ÖNB 2002, Röder/Strauss 1980–83, Schroth 1964/1978, Strommer 2008, Wedel 2010, Wi-
kipedia, www.aeiou.at, www.dasrotewien.at, www.onb.ac.at/ariadne/, www.parlament.gv.at/
Frey Anna, geb. Schlesinger; Pädagogin und Journalistin
Geb. Wien, 15. 8. 1889
Gest. Wien, Feb. 1920
Herkunft, Verwandtschaften: Einziges Kind von Viktor Schlesinger, Kassier, und Therese,
geb. Eckstein. Während der Schwangerschaft erkrankte Th. Schlesinger und blieb von da
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika