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kommunistischen Jugendlichen und ist 1933/34 für die Rote Hilfe tätig. Als Teilorganisati-
on der KPÖ war die Rote Hilfe ab Juni 1933 verboten, sie stellte ihre Aktivitäten allerdings
nicht ein, sondern diese erreichten in Folge der Februarkämpfe 1934 sogar einen Höhe-
punkt. Das Mitwirken bei den Sammlungen dieser ArbeiterInnenselbsthilfeorganisation
gilt als Hochverrat und wurde nach der Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten
besonders scharf verfolgt.
Ab 1935 arbeitet M. F. als Au-Pair Mädchen zunächst in London und später in Paris. Sie
beherbergte in ihrer Pariser Wohnung Emigranten, die in ihren Heimatländern politisch ver-
folgt worden waren und sich illegal in Frankreich aufhielten. Kurz vor der Besetzung von Pa-
ris durch deutsche Truppen flüchtet M. F. 1940 mit einer Gruppe politischer Emigrantinnen
vor den Nationalsozialisten nach Montauban in Südfrankreich. Dort lernt sie ihren späteren
Mann, Heinrich Fritz, kennen. Im Frühjahr 1941 wird M. F. verhaftet und im Herbst dessel-
ben Jahres vor ein Militärgericht gestellt. Obwohl sie zunächst freigesprochen wird, erfolgt
ihre Internierung in das Frauenlager Rieucros, später wird sie in das Lager Berns gebracht. Von
dort aus gelingt ihr die Flucht nach Marseille. Sie wird jedoch kurz danach erneut verhaftet,
diesmal gemeinsam mit Heinrich Fritz, und im Gefängnis von Chalon-sur-Saône eingesperrt.
Die beiden werden aneinander gekettet über Dijon nach Karlsruhe gebracht und schließ-
lich in Bruchsal inhaftiert. Auf der Strecke München-Salzburg werden sie getrennt. Heinrich
Fritz wird nach einem Gefängnisaufenthalt Ende 1942 nach Dachau überstellt. M. F. wird
nach Wien deportiert, wo sie im Gestapo-Hauptquartier am Morzinplatz mehreren Verhören
und Folterungen unterzogen wird. Nach neun Monaten Gestapohaft wird sie nach Auschwitz
deportiert und im Jänner 1945 nach Ravensbrück evakuiert. Die durch die Lagerhaft ohnehin
geschwächten Häftlinge sind bei eisiger Kälte teils zu Fuß, teils in Viehwaggons unterwegs.
In Ravensbrück verschafft ihr Maria Berner, eine Mitarbeiterin des von der österreichischen
Kommunistin Mela Ernst geleiteten illegalen Widerstandsnetzes, den roten Winkel, das
Kennzeichen für politische Gefangene. Mit diesem kann M. F. vor der Vernichtung als ras-
sisch Verfolgte bewahrt werden. Mit Hilfe von falschen Papieren wird sie zur Arbeit bei den
Siemenswerken eingeteilt. Bei der Auflösung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück im
April 1945 kann sie gemeinsam mit Hermine Jursa aus einer Gefangenenkolonne fliehen. Die
beiden Frauen kommen nach einem strapaziösen Fußmarsch sechs Wochen später in Wien
an. Dort trifft M. F. zu ihrer Freude ihren tot geglaubten Mitgefangenen und Leidensgenossen
Heinrich Fritz überraschend wieder. Bald danach heiraten die beiden.
Wie viele der Überlebenden aus den Konzentrationslagern ist M. F. über das Verhalten der ein-
heimischen Bevölkerung bestürzt. Die Stimmung in Wien ist von der Konzentration auf das
eigene Leid durch den „verlorenen“ Krieg und die Bombardierungen der Alliierten geprägt. Der
politische Widerstand gegen das NS-Regime wurde von vielen als kriminelles Delikt angese-
hen. Nach 1945 ist M. F. wieder politisch tätig. 1948 wird ihr Sohn Ernst geboren; sie absolviert
ein Studium an der Universität Wien, arbeitet als Übersetzerin und stellt sich als Zeitzeugin in
Schulen zur Verfügung. Bis zu ihrem Tod am 8. Juli 1996 bleibt sie politisch interessiert.
W.: „Essig gegen den Durst. 565 Tage in Auschwitz“ (1986), „Gem. m. Hermine Jursa: Es
lebe das Leben. Tage nach Ravensbrück“ (1983)
L.: Berger 1985, Berger 1987, Fritz 1990, Müller 1997a, www.klahrgesellschaft.at
Karin Nusko
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika