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Fröhlich | F 933
schen Einstellung unterstützte Frau A. F. die PartisanInnen im Raum Leoben äußerst tat-
kräftig. Als Mitglied der Kommunistischen Partei stellte sie ihre Wohnung für geheime
Treffen von Max Muchitsch und seinen KameradInnen zur Verfügung. Zudem brachte sie
Geld für die illegale Organisation auf. Am 15. August 1944 wurden Frau A. F. sowie ihre
14-jährige Tochter Helga und ihr Mann Anton verhaftet. Zunächst kam Frau A. F. in Leo-
ben in Haft, wo sie schweren Misshandlungen durch die dortigen Gestapobeamten ausge-
setzt war. Im Jahr 1946 gab sie bei der Zeugeneinvernahme in der Strafsache Johann Stelzl
zu Protokoll: „In der Folge wurde ich, und zwar von Augustin, noch fünfmal verhört und
zweimal mit einer Stahlrute geschlagen. Er schlug mich ins Gesicht mit den Händen und
auf Hände, Füße und Gesäß mit der Rute. Im Oktober wurde ich dann nach Ravensbrück
gebracht.“ Frau A. F. befand sich unter jenen 59 Frauen, die am 29. September 1944 mit
einem „Sondertransport“ aus Graz kommend im Viehwaggon nach Ravensbrück deportiert
wurden. Dort wurde sie unter der Nummer 75063 registriert. Nach einem Monat erfolgte
ihre Überstellung in ein Nebenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg – nach Graslitz
(heutiges Tschechien). Dort musste sie, bis zu ihrer Befreiung Ende April 1945, die Nummer
58340 tragen. Circa einen Monat nach der Befreiung konnte A. F. nach Leoben zurückkeh-
ren. Ihr Mann Anton hatte zwar Mauthausen und Buchenwald überlebt, aber nur einige
Monate später verstarb er in Graz an den Folgen der KZ-Haft. A. F. verlor auch ihren Sohn
(in einem Schreiben ans Sozialministerium aus 1947 gab sie an, dass während der NS-Zeit
ihre beiden Kinder verschleppt worden waren). Ihre Gesundheit war nach dem Krieg eben-
falls schwer angeschlagen, insbesondere ihr Herz, und ihre Erwerbsfähigkeit daher stark
eingeschränkt. In der Folge beantragte die nun alleinerziehende Mutter einer Tochter eine
Dauerrente beim Sozialministerium. Ob diesem Ansuchen stattgegeben wurde, ist nicht
bekannt. Schon im Alter von 39 Jahren, am 15. Jänner 1948, verstarb A. F. in Leoben.
Qu.: Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: Häftlingsdatenbank; DÖW:
13158e; Justizanstalt Leoben Gefangenenvermerk 3. 8. 1944–17. 11. 1944; Landesarchiv Stei-
ermark: Opferfürsorgeakte; Sonderbestand Ravensbrück am DÖW: 50.333/171; 50.170/51.
L.: Muchitsch 1966
Brigitte Halbmayr
Fröhlich Anna, Nanette, Netti; Sängerin, Musiklehrerin und politische Aktivistin
Geb. Wien, 19. 9. 1793
Gest. Wien, 11. 3. 1880
Herkunft, Verwandtschaften: Älteste von vier Schwestern: Barbara, Josephine, Katharina.
Freundschaften: Mit Grillparzer und Schubert befreundet; ab 1849 lebte Grillparzer bei
Katharina, Anna und Josefine Fröhlich.
Ausbildungen: Schülerin Hummels (Klavier) und Sibonis (Gesang).
Laufbahn: Unterrichtete 1819–54 an der am Wiener Konservatorium der Gesellschaft für
Musikfreunde eingerichteten „Singschule“. Widmete ihr Vermögen für eine Stiftung zu-
gunsten der KünstlerInnen und SchriftstellerInnen. Im März 1848 wurde sie auch politisch
aktiv. Um ihre Solidarität mit der 1848er-Bewegung zu bekunden, unterzeichneten 546
Frauen eine Petition, die inhaltlich den politischen Akt des Einkaufens mit karitativem
Engagement verband. Der Hauptproduktionszweig Wiens, das Textilgewerbe, befand sich
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika