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merbad als Zeugin Jehovas getauft. Als unverheiratete junge Frau betätigt sie sich zunächst
äußerst eifrig missionarisch in ganz Wien, um sich dann als Missionarin für das Ausland
zur Verfügung zu stellen. Von 1932 bis 1935 ist die zierliche Frau, sie ist nur 1,47 m groß,
zunächst in der Tschechoslowakei (Budweis und Umgebung) zusammen mit dem Südtiro-
ler Alois Lanthaler als Missionarin tätig. Im Winter 1935 reist sie nach Jugoslawien und
schließt sich einer 20köpfigen Gruppe von deutschsprachigen Missionaren an. Sie wohnt
in Agram (Zagreb) und beteiligt sich an der Verbreitung von Literatur in kroatischer und
serbokroatischer Sprache. Im August 1936 wird die „Leuchtturm-Gesellschaft“ aufgelöst
und die Tätigkeit der Missionare immer schwieriger. J. und ihre Missionargefährten werden
immer wieder eingesperrt. Nach der Verbreitung der Zeitschrift „Judge Rutherford Unco-
vers Fifth Column“, worin die Unterstützung der politischen Ziele der Nationalsozialisten
durch die katholische Kirche aufgedeckt wird, werden J. und die anderen ausländischen
Missionare ausgewiesen. Im Juli 1938 kehrt sie nach Wien zu ihren Eltern zurück und wird
von diesen, da sie keine Arbeit hat, finanziell unterstützt. Etwa ein Jahr hat sie außer durch
den Erhalt von Literatur keinen Kontakt zu der bereits seit 1935 verbotenen Organisation
der Zeugen Jehovas. 1939 nimmt sie Kontakt zu dem damaligen Landesleiter der Internati-
onalen Bibelforschervereinigung (IBV) Peter Gölles auf, der sie beauftragt als „Kurierin“ mit
dem Decknamen „Hansi“ Glaubensbrüder in den verschiedenen Teilen Österreichs mit der
in Wien vervielfältigten illegalen Literatur zu versorgen. Sie reist daraufhin von Dezember
1939 bis Mai 1940 zum Teil allein oder zu zweit (u. a. mit Ernst Bojanowski) über Leoben
und Graz nach Klagenfurt und Lienz, aber auch nach Salzburg, Innsbruck und Dornbirn,
wo sie Kontakte zu Glaubensbrüdern aus der Schweiz hat. Die Broschüren und Zeitschrif-
ten trägt sie immer am Körper. Sie bekommt auch den Auftrag, nach Pressburg (Bratislava),
Magdeburg, Darmstadt und Berlin zu reisen, um dort Kontakt zu Glaubensbrüdern her-
zustellen und Literatur nach Wien einzuschmuggeln. J. wird schon lange von der Gestapo
beobachtet. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Wien wird sie in einer Großrazzia der Gestapo
am 12. Juni 1940 um 6 Uhr früh zuhause verhaftet. An diesem Tag werden 44 Zeugen Jeho-
vas aus dem Großraum Wien u. a. auch das Ehepaar Gölles verhaftet. Damit gelingt es der
Gestapo, die illegale Literaturvervielfältigung und -verbreitung endgültig lahm zu legen. J.
befindet sich sechs Wochen lang in Untersuchungshaft und wird mindestens sieben Mal am
Morzinplatz verhört und unter Druck gesetzt, Glaubensbrüder zu verraten. Am 21. Juli 1940
wird sie zeitgleich mit mehreren Zeugen Jehovas in das Wiener Landesgericht überstellt; es
wird Anklage gegen sie erhoben. Am 27. Jänner 1941 wird sie als eine der Hauptangeklagten
von einem Wiener Sondergericht wegen Teilnahme an einer wehrfeindlichen Verbindung
gemäß § 3 der Verordnung vom 25. November 1939 zur Ergänzung der Strafvorschriften
zum Schutze der Wehrkraft des deutschen Volkes zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Vom
14. Februar 1941 bis 29. April 1945 ist sie im Zuchthaus Aichach (Oberbayern) inhaftiert.
Der Kontakt mit den Angehörigen beschränkt sich auf einen Besuch im Monat. Im Ak-
kord werden die Socken von Gefallenen aufgetrennt und wieder Neue gestrickt. Wird das
Arbeitspensum nicht geschafft, drohen 5–10 Tage im Kellerloch bei Brot und Wasser. In
der Zelle sind die Bedingungen auch nicht viel besser. Kälte und Hunger sind die ständigen
Begleiter, was die Häftlinge dramatisch an Gewicht verlieren lässt. Den Gewichtsverlust
kennen jedoch nur die Wärter – denn J. H. muss sich verkehrt auf die Waage stellen. Sie
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika