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Juch | J 1521
und den „Brief eines jungen Arbeiters an einen nationalsozialistischen Arbeitskameraden“.
Diese Schriften erscheinen den nationalsozialistischen Machthabern besonders gefährlich,
weil sie die Arbeiterschaft zum Kampf gegen den Hitlerfaschismus auffordern sowie genaue
Anweisungen zur Zersetzung faschistischer Organisationen und der deutschen Wehrmacht
geben. Am 8. Februar 1941 wird G. J. verhaftet.
Im Untersuchungsgefängnis in der Schiffamtsgasse in Wien-Leopoldstadt trifft G. J. auf
Antonia Bruha und erzählt dieser sie rechne mit einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren, aber
sie hoffe, dass die Rote Armee den Hitlerfaschismus besiegen und ihre Haftzeit sich da-
durch verringern werde. Die HaftgenossInnen und Bekannten von G. J. beschreiben sie spä-
ter als sehr mutige, immer aktive und wissensdurstige Frau. Sie hilft ihren Mitgefangenen,
indem sie ihnen Essen zukommen lässt und mit ihnen lange Gespräche führt. Sie gibt auch
im Gefängnis den Kampf gegen das Regime und die Resignation nicht auf. Sie bemüht sich
um Informationen von außerhalb des Gefängnisses und gibt diese weiter. In ihrer Verhand-
lung am 23. September 1941 wird sie wegen Hochverrates zum Tode verurteilt. Dennoch
sind ihre Briefe an ihren Verlobten und ihre Eltern voller Hoffnung diesem schrecklichen
Schicksal entgehen zu können. Ihre Verwandtschaft versucht eine Begnadigung zu errei-
chen; die Mutter fährt sogar zur Justizbehörde nach Berlin. Doch alle Bemühungen sind
erfolglos. G. J. wird in die Todeszelle gebracht.
Die Todeszellen der weiblichen Häftlinge befinden sich in den Kellerräumen unter der
Frauenabteilung des Inquisitenspitals. Die zu dieser Zeit ebenfalls eingekerkerte kom-
munistische Widerstandskämpferin Anna Haider konnte, da sie als Hilfskraft im Inqui-
sitenspital eingesetzt worden war, in die Todeszellen gelangen. Sie brachte Zeitungen für
die Häftlinge und konnte sich manchmal mit ihnen unterhalten. G. J. hat sich nach ihren
Angaben vorbildlich verhalten, sie hat ihre Leidensgenossinnen getröstet und die Hoffnung
auf Befreiung durch das rechtzeitige Eintreffen der Roten Armee bis zum Schluss nicht auf-
gegeben. Am 15. Jänner 1943 wird M. J. durch das Fallbeil hingerichtet. Ihre letzten Worte
waren: „Es lebe die Freiheit!“
Qu.: DÖW 155, 1512, 5732a, 5733e, 11672,1358.
L.: Kroupa 1955, Podgornik 1983, Eine Gedenkfeier für Grete Jost. In: Volksstimme
19. 1. 1988
Karin Nusko
Juch Emma, Antonia Johanna; Sängerin
Geb. Wien, 4. 7. 1863
Gest. New York City, New York, USA, 6. 3. 1939
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Martin Juch, Musiker, Künstler und Erfinder; Mutter:
Augusta, geb. Hahn. Die Familie emigrierte früh in die USA. Das Gesangstalent hatte sie
von der mütterlichen Seite geerbt.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1894 Heirat mit dem New Yorker Anwalt Francis L. Wellman.
Ausbildungen: Studierte in New York bei Murio-Celli.
Laufbahn: Populäre Opernsängerin der 1880er und 1890er Jahre. Kam schon als Kind nach
New York. Sie trat 1881– 84 in London auf, wo sie 1881 als Philine in „Mignon“ debütiert hatte.
Sie sang diese Rolle auch in New York, wirkte 1884 an der Metropolitan Opera, dann bei der
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 2, I – O
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 2, I – O
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1026
- Category
- Lexika