Page - 1558 - in biografiA. - Lexikon österreichischer Frauen, Volume 2, I – O
Image of the Page - 1558 -
Text of the Page - 1558 -
Kalter | K 1557
Kalter Sabine, Aufrichtig-Kalter; Sängerin
Geb. Jaroslaw, Galizien (Polen), 28. 3. 1889
Gest. London, Großbritannien, 1. 9. 1957
Herkunft, Verwandtschaften: S. K. (laut „Lexikon der Juden in der Musik“ Sabine Aufrich-
tig-Kalter) wird am 28. 3. 1889 in Jaroslaw, einer Stadt in Galizien geboren. Sie verbringt
ihre Kindheit in Budapest.
Ausbildungen: Ihr Gesangsstudium absolviert sie am Wiener Konservatorium bei Rosa Papier.
Laufbahn: S. K. debütiert an der Wiener Volksoper 1911 in Wagners „Lohengrin“ als Or-
trud. 1914 gibt sie im Hamburger Stadttheater, das nach 1933 in Hamburger Staatsoper
umbenannt wird, Konzerte. Fest engagiert ist S. K. an diesem Haus für die Saisonen
1915/16 bis 1934/35. Darüber hinaus gibt K. in den zwanziger Jahren Gastspiele in Bel-
gien, Frankreich und Spanien. 1924 gastiert der Hamburger Star erstmals an der Wiener
Staatsoper. S. K. ist das letzte jüdische Ensemblemitglied der Hamburger Staatsoper. Sie
tritt dort erfolgreich in der Titelrolle von Verdis „Lady Macbeth“ und sogar weiterhin
als Ortrud in Wagners „Lohengrin“ auf. Im Jänner 1935 flüchtet K. nach England, wo
sie noch im April desselben Jahres ihr Debüt als Brangäne in Wagners „Tristan“ am Roy-
al Opera House Covent Garden gibt. Bis 1939 tritt S. K. dort als Fricka, Ortrud und
Brangäne auf. Durch ihre Auftritte als Wagner-Sängerin kommt S. K. auch mit Kollegin-
nen und Kollegen aus Deutschland zusammen. Sie singt z. B. auch unter dem Dirigen-
ten Wilhelm Furtwängler. S. K. absolviert eine Tournee durch die Niederlande und hat
Auftritte in Brüssel und Paris. 1937 lädt der Jüdische Kulturbund S. K. nach Hamburg zu
einem Liederabend ein. Sie nimmt die Einladung an und singt Lieder von Gustav Mahler.
Ab 1939 wandte sich S. K. ganz dem Konzertsaal und der Lehrtätigkeit zu. 1941 hat sie
einen Auftritt in der Nationalgalerie mit Liedern von Franz Schubert, Hugo Wolf und
Johannes Brahms. Einen großen Erfolg zum Abschluss ihrer Karriere kann S. K. noch
verzeichnen: die bereits über 60-jährige Sängerin tritt noch einmal in Hamburg mit ei-
nem Liederabend auf. Der Lebenslauf von S. K. deckt sich bis zu einem gewissen Grad
mit anderen GesangskünstlerInnen ihrer Epoche. Die Vertreibung aus den von den Na-
tionalsozialisten beherrschten Gebieten bestimmt vor allem bei als jüdisch deklarierten
KünstlerInnen den privaten Lebenslauf und die Karriere. Die Fähigkeit S. K.s, die „ur-
germanischen“ Wagner-Heldinnen zu verkörpern, und die großen Erfolge, die sie damit
in Deutschland verzeichnen kann, bewahren sie nicht vor der Notwendigkeit, vor den
Nationalsozialisten zu flüchten. S. K. kann im Gegensatz zu anderen nach Großbritannien
emigrierten MusikerInnen ihre Karriere im Asylland, wenn auch in einem bescheideneren
Ausmaß, fortsetzen. Der Jüdische Kulturbund, dessen Einladung zu einem Liederabend
S. K. 1937 annimmt, setzte sich ausschließlich aus jüdischen Mitwirkenden und jüdischem
Publikum zusammen. Er wurde als jüdisches Gegenstück zur Reichskulturkammer gese-
hen und war in jüdischen Kreisen nicht unumstritten. S. K. singt an diesem Abend unter
anderem Lieder von Gustav Mahler. Vortragende an der VHS (Volksheim) Ottakring.
Qu.: Literaturhaus/Exilbibliothek; Judaica-Archiv.
L.: Pass/Scheit/Svobota 1995, Raab-Hansen 1996, Stengel/Gerigk 1940, Weber 1994,
Weissweiler 1999, Wulf 1993
Karin Nusko
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 2, I – O
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 2, I – O
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1026
- Category
- Lexika