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geplündert und das Wirtschaftsgebäude samt landwirtschaftlichen Geräten, Getreide und
Futtervorräten in Brand gesteckt. J. S.s Cousine und zwei Tanten werden verhaftet und ins
Konzentrationslager deportiert. Ihr Bruder wird aus dem Priesterseminar geholt und nach
Dachau gebracht. Nur die Großmutter, J.s zweijähriger Sohn und das Kind ihrer Tante
werden verschont. Die Mutter kann zu den Partisanen fliehen, wo sie bis Kriegsende als Kö-
chin und Krankenpflegerin tätig ist. 1944 begibt sich J. S. ins befreite Gebiet Dolenska nach
Jugoslawien, um eine Kaderschulung zu absolvieren. Wieder zurück in Kärnten setzt sie
ihre Tätigkeit als Funktionärin der Frauenbewegung fort. Als Vorsitzende des Gebietsaus-
schusses der Antifaschistischen Frauenfront gehört sie zugleich dem Gebietsausschuss der
OF für Kärnten an. Auch ihr Mann schließt sich nach seiner Desertion aus der Wehrmacht
den Partisanen an.
Im Mai 1945 zieht J. S. mit ihrem Bataillon ins befreite Klagenfurt/Celovec ein. Für die
Freiheitskämpfer bringt das Kriegsende jedoch eine herbe Enttäuschung: die britische Be-
satzungsmacht verhält sich feindselig gegen die ehemaligen Verbündeten. Auch Familie
Sadolschek, die in bitterer Not auf dem verwüsteten Hof hausen muss, ist Schikanen, wie
etwa der Inhaftierung Michael Sadolscheks, ausgesetzt. Obwohl J. S. nach 1945 als Sekretä-
rin des Verbandes slowenischer Frauen tätig ist, bleibt ihr nun für Politik wenig Zeit, es gilt
den Hof wieder aufzubauen. Ein zweites Kind, eine Tochter, wird geboren. Als kränkend
empfindet sie die jahrzehntelange Missachtung des Beitrags der Slowenen zur Befreiung
Kärntens seitens des offiziellen Österreich. J. S. ist Trägerin der goldenen Auszeichnung der
OF. Im Gedenkjahr 2005 wurde sie zusammen mit den ehemaligen Widerstandskämpfe-
rinnen Apolonija-Lonki Schellander und Ana Zablatnig mit dem Frauenwürdigungspreis
der Kärntner Grünen ausgezeichnet.
Qu.: DÖW 124.
L.: Berger 1985, Dokumentationsarchiv 1990, Fertschey 2005, Prušnik-Gašper 1980, Strobl
1989, Trallori 1985, Eisenkappler Nachrichten / Kapelške novice. Amtliche Mitteilung der
Marktgemeinde Eisenkappel – Vellach, Nr. 2, Juni 2010 (http://www.bad-eisenkappel.info/
files/eisenkappel-juni_2010-int.pdf)
Christine Kanzler
Sadovnik Anna, Ana, geb. Haberc; Widerstandskämpferin und Bäuerin
Geb. 15. 6. 1909
Gest. Unterpetzen, Kärnten, 25. 4. 1945
LebenspartnerInnen, Kinder: Ehemann: Luka Sadovnik (* 1906); Schwiegermutter: Fran-
ciska Sadovnik, geb. Dlopst (* 1868); Kinder: Franziska (* 1932), Viktor (* 1941), Bogomir
(* 1944).
Laufbahn: Die Kärntner Slowenin lebte und arbeitete auf ihrem Bauernhof, dem „Perš-
manhof “ in Unterpetzen b. Eisenkappel in Kärnten. Der Peršmanhof der Familie Sadovnik
wurde ein wichtiger Stützpunkt der PartisanInnen im Zweiten Weltkrieg. Hier ereignete
sich in den letzten Kriegstagen, am 25. April 1945, eines der furchtbarsten NS-Verbrechen
an der Kärntner Zivilbevölkerung. Aufgrund einer Anzeige, die einen Viehdiebstahl durch
PartisanInnen meldete, zogen Teile der 4. Kompanie des I. Bataillons des SS- und Polizeire-
gimentes 13 zum Peršmanhof. Dort überraschten sie eine Gruppe lagernder PartisanInnen.
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 3, P – Z
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1238
- Category
- Lexika