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Sander | S 2819
Sander Irma; Lehrerin und Direktorin
Geb. Hopfgarten, Tirol, 6. 5. 1885
Gest. Innsbruck, Tirol, 29. 10. 1973
Laufbahn: Lehrerin und Schuldirektorin in Innsbruck, war im „Verein deutscher Lehrerin-
nen Tirols“ tätig.
Qu.: Teilnachlass Brenner Archiv, Universität Innsbruck (unbearbeitet): http://www.uibk.
ac.at/brenner-archiv/
L.: Hall/Renner 1992
Sandmann Hedwig, geb. Schulhof; Bibliothekarin und Übersetzerin
Geb. Wien, 1. 8. 1917
Gest. Wien, 4. 11. 2001
H. S. (geb. Schulhof) wurde am 1. August 1917 in Wien in einer jüdischen Familie gebo-
ren. Ihre Mutter war Näherin bzw. Hausfrau, ihr Vater Staatsbeamter an der Börse. Beide
gehörten der Sozialdemokratischen Partei als Mitglied an. Bis 1931 besuchte sie jeweils
vier Jahre die Volks- und Hauptschule, im Oktober dieses Jahres begann sie eine Lehre als
Verkäuferin und wurde Mitglied der Gewerkschaft. Seit dem August 1934 war S. im illegalen
Kommunistischen Jugendverband (KJV) im Bezirksmaßstab als Funktionärin aktiv und folg-
te Ende August 1935 nach Abschluss der Lehre ihrem Lebensgefährten Anton Sandmann
in die Sowjetunion nach, wohin dieser als aktiver Februarkämpfer und Schutzbundangehöri-
ger geflüchtet war. Sandmann, der im Mai 1934 in einem Flüchtlingslager in Brno zur KPÖ
gestoßen und im Juni mit dem zweiten Schutzbundtransport in die Sowjetunion gelangt war,
war in Leningrad in seinem angestammten Beruf als Buchbinder tätig. Am 22. November
1935 heiratete sie. Bis zur Geburt ihrer ersten Tochter im Juni 1936 arbeitete H. S. in der
Großdruckerei „Petschatny dwor“. In politischer Hinsicht wurde sie 1935 in der Sowjetunion
vom KJV in die KPÖ überführt.
Den Beruf der Bibliothekarin ergriff S. im Jahr 1938, als sie im September in der Lenin-
grader Staatsbibliothek „Saltykow-Schtschedrin“ (benannt nach dem gleichnamigen russi-
schen Schriftsteller und Satiriker), der heutigen Russischen Nationalbibliothek, zu arbeiten
begann. 1940 besuchte sie einen Bibliothekarskurs zur Erhöhung ihrer Qualifikation, wor-
auf sie im Oktober 1940 zur Leiterin einer kleinen Filiale der Staatsbibliothek im Zentralen
Park für Kultur und Erholung avancierte. Diese Tätigkeit übte sie bis zum 13. Dezember
1941 aus, als die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht bereits begonnen
hatte.
Ihr Ehemann war bereits im Mai 1937 nach Spanien gegangen, um dort auf Seiten der
Republik gegen den Franco-Faschismus zu kämpfen. Bis zum Februar 1939 war er Offizier
in den Reihen der Internationalen Brigaden, nach der Niederlage der Republik wurde er
im französischen Lager St. Cyprien interniert. Nach gelungener Flucht kehrte er im April
1939 in die Sowjetunion zurück, wo er wieder als Buchbinder zu arbeiten begann. 1941
erhielten Anton und H. Sandmann die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurden in die
WKP(b), die russische Kommunistische Partei, überführt. Es war dem Kriegsverlauf und
der Kaderpolitik der KPÖ geschuldet, dass H. S.s berufliche Laufbahn als Bibliothekarin
nun unterbrochen wurde. So wurden Anton und H. Sandmann 1942 aus dem belagerten
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 3, P – Z
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1238
- Category
- Lexika