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Herkunft, Verwandtschaften: Nach dem frühen Tod der Mutter (sie war zu dem Zeitpunkt
erst vier Jahre alt), zog ihr Vater Peter Savs mit ihr nach Südtirol. Sie lebten zunächst in Arco,
beim Gardasee und kurz vor Ausbruch des Krieges in Meran. 1914 wurde ihr Vater einberu-
fen und nach Russland geschickt. Nach einer schweren Verletzung kam er nach Hause.
Laufbahn: Nach seiner Genesung schloss sich ihr Vater als Freiwilliger dem Landsturm
an. Die gerade 16-Jährige, als junger Mann verkleidet, täuschte die Musterungskommis-
sion in Meran und trat am 10. Juni 1915 ins Standschützenbataillon Meran I ein. In die-
sem Bataillon diente sie unerkannt fast eineinhalb Jahre als Trainsoldat „Victor Savs“. Erst
am 8. Dezember 1916 erreichte sie bei Erzherzog Eugen von Habsburg die Genehmigung,
als freiwillige Landsturmarbeiterin mit der Waffe in der Hand zu dienen und rückte zum
Landsturminfanteriebataillon Innsbruck II ein, in dem auch ihr Vater diente. Während bei
der k. u. k. Armee eine große Aversion gegen den bewussten Einsatz von Frauen an der
Front bestand, wurde dies bei den Schützenformationen nicht so streng gehandhabt. In
ihrer Einheit wussten jedoch nur wenige, dass sie eine Frau war. Als freiwillige Hilfs- und
Ordonnanzkraft versah sie ihren Dienst an vorderster Front und zeichnete sich dabei vor
allem im Kampfabschnitt der Drei Zinnen aus. Sie beteiligte sich fünf Monate lang am
Hochgebirgskrieg und erwarb dabei mehrere Tapferkeitsauszeichnungen. Immer wieder
meldete sie sich freiwillig zum Postendienst und zu Patrouillengängen. Aufgrund einer
schweren Verwundung, die sie am 27. Mai 1917 erlitt und in deren Folge ihr schließ-
lich sogar ein Bein amputiert wurde, musste sie ihren Frontdienst beenden. Sie kam in
ein Lazarett und ihr Geheimnis wurde offenbart. Sie verbrachte insgesamt drei Jahre in
verschiedenen Lazaretten und war bei Kriegsende praktisch erwerbsunfähig und mittel-
los. Sie begann für das Rote Kreuz zu arbeiten und wirkte als Laienschwester in einem
Jansenistenorden in Holland, in der Schweiz und in Ungarn. Über Hall in Tirol und
verschiedene Orte in Deutschland kam sie 1938 nach Salzburg. Nach dem Krieg nahm sie
gelegentlich an Veteranentreffen teil. Als „Heldenmädchen von den Drei Zinnen“ hatte
sie einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt.
Ausz.: Für Tapferkeit und vorbildliche Führung wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter
anderem erhielt sie die Tapferkeitsmedaille in Bronze, das Kaiser-Karl-Verdienstkreuz und
die Tapferkeitsmedaille in Silber 1. Klasse. 1999 benannte das Kommando der Heeresunter-
offiziersakademie den 9. Unteroffizierslehrgang nach ihr.
L.: www.ceiberweiber.at/…/tirolerinnen, www.igr.nl/users/vandenheuvel/; www.cimeetrin-
cee.it/, http://de.wikipedia.org/, http://www.schuetzen.com/html/marketenderinnen/, http://
www.bmlv.gv.at/karriere/frauen/, http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/, http://www2.sbg.
ac.at/pr/
Saxl-Deutsch Marianne, geb. Deutsch; Malerin, Grafikerin, Holzschneiderin,
Kunstgewerblerin und Designerin
Geb. Wien, 28. 8. 1885
Gest. Maly Trostinec bei Minsk, 26. 5. 1942
Am 21. Mai 2010 wurden zwei neue Stationen der Erinnerung in der Skodagasse in Wien-Jo-
sefstadt eröffnet. Die Station Skodagasse 15 erinnert an Olga Deutsch, M.S., Adolf Bardasz
und Wanda Kafka. Sie alle wohnten in diesem Haus bis sie der grausamen Verfolgung durch
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 3, P – Z
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 3, P – Z
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1238
- Category
- Lexika