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Gustav Pirchan (1881–1945) 375
Exkurs zu Gustav Pirchans Werk „Italien und Kaiser Karl IV.“
Tomáš Borovský
In den meisten allgemeinen Übersichtswerken erscheint Gustav Pirchan als Autor eines
einzigen Buches. Die Konzeption des zweiteiligen Werkes „Italien und Kaiser Karl IV. in
der Zeit seiner zweiten Romfahrt“ zeigt gut Pirchans Profil als Wissenschaftler. Auf den
ersten darstellenden und synthetisierenden Band folgt der zweite, der außer Registern
und Verweisen auf Quellen und Literatur ferner eine Serie von kleineren Studien enthält,
in denen der Autor Einzelproblemen nachgeht, die mit seinem zentralen Thema zusam-
menhängen und somit nachträglich die Schlüsse belegen, die im ersten Band enthalten
sind. Der erste Band unterscheidet sich ziemlich deutlich vom übrigen Werk Pirchans,
insbesondere was die Breite der gewählten Perspektive angeht. Während Pirchan sich in
seinen bekannteren Studien als Historiker präsentiert, der präzise und konkret formu-
lierte Fragen analysiert (so etwa in den Artikeln über das Sudetendeutschtum, in dem er
seine umfangreichen Kenntnisse als Wissenschaftler in den Dienst von nationalen Zielen
der Gegenwart stellt), so zeigt ihn das Werk „Italien und Kaiser Karl IV.“ als einen Autor,
der es vermag, sich der auf die Faktografie ausgerichteten politischen Geschichte ebenso
zu widmen wie etwa der plastisch dargestellten Charakteristik des Milieus der italieni-
schen Städte in der Mitte des 14. Jahrhunderts.
Die Gliederung des Buches in fünf Teile folgt der chronologischen Reihenfolge der
Ereignisse von den politischen Vorbereitungen des Feldzugs und den Verhandlungen mit
der päpstlichen Kurie (I : Vorgeschichte) über Karls Verhandlungen in Wien, die Alpen-
überquerung und die Ankunft in Norditalien (II : der Feldzug in der Lombardei), das
komplizierte Lavieren zwischen lokalen Machthabern auf dem Weg nach Rom (III : Des
Kaisers Eingreifen in Toskana) bis zum eigentlichen Aufenthalt in Rom (V : Der Kaiser in
Rom) und die umfangreiche Schilderung von Karls Rückreise (V : Des Kaisers Rückkehr).
Im Rahmen der einzelnen Kapitel begnügt sich Pirchan aber nicht mit der schlichten
Schilderung der historischen Entwicklung, sondern er versucht sich um die Vermittlung
eines Gesamtbildes des politischen und geografischen Raumes, in den die Geschehnisse
eingebettet waren. Obwohl die Hauptfigur des Buches Kaiser Karl IV. ist, zieht am Leser
eine ganze Schar von weiteren Akteuren vorüber, die mehr oder weniger genau vorgestellt
und in die Handlungsstränge einbezogen werden, ohne dass dies jedoch die Aufmerk-
samkeit von der Hauptachse der Geschehnisse allzu sehr ablenken würde. Analoges lässt
sich feststellen, was die Exkurse betrifft, die scheinbar nur am Rande den Verwaltungs-
systemen der italienischen Städte gewidmet sind. Pirchans Art der Skizzierung eines Ge-
samtbildes besteht nicht aus langen Passagen, die um eine erschöpfende Schilderung von
einzelnen Themenbereichen bestünden, sondern aus kurzen und inhaltlich dichten Ab-
sätzen, manchmal auch nur Sätzen, in denen der Autor auf lapidare und äußerst präzise
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien