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384 Sibylle Wentker
Vorderen Orients sowie Historische Hilfswissenschaften durch Josef von Karabaček22, den
Direktor der Hofbibliothek und Vermittler der Papyrussammlung Erzherzog Rainer nach
Wien, und zu guter Letzt die Semitistik, die in erheblicher Breite von David Heinrich
Müller23 bestritten wurde.
Grohmann hatte bereits in Prag in seinen letzten beiden Gymnasialjahren Arabisch,
Persisch und Türkisch in Privatstunden gelernt24. Demzufolge richtete er seinen Studi-
enplan in Wien hauptsächlich philologisch aus und hörte bis zur Ablegung des Doktorates
1911 daselbst Arabisch, Aethiopisch, Hebräisch, Syrisch bei Hofrat Prof. Dr. D.H. Müller,
Arabisch, Aethiopisch bei Prof. Dr. M. Bittner, Arabisch ferner bei Prof. Dr. R. Geyer, Ae-
thiopisch-Koptisch bei Prof. Dr. H. Junker und neben anderen Studien auch arabische Pa-
läographie bei Hofrat Prof. Dr. J. v. Karabaček25. Als seine Hauptlehrer darf man wohl
Karabaček und Müller bezeichnen. Karabaček führte Grohmann in das Gebiet der Histo-
rischen Hilfswissenschaften sowie der arabisch-islamischen Geschichte bis etwa 1250 ein,
und Müller vermittelte Grohmann seine philologisch-semitistische Ausbildung mit einem
starken Akzent auf der Südsemitistik. Beide Spezialisierungen bestimmten Grohmanns
wissenschaftlichen Werdegang wesentlich.
Karabaček war als namhafter Orientalist spezialisiert auf Historische Hilfswissenschaf-
ten und einer der Mitbegründer des Instituts für Orientalistik an der Universität Wien.
Über viele Jahre hielt Karabaček an der Universität Vorlesungen über Geschichte des
Orients und ihre Hilfswissenschaften. Sein hauptsächlicher Wirkungskreis war jedoch
weniger die Universität als die Hofbibliothek in Wien, deren Leiter er war26. Fachlich
hatte Karabaček zunächst auf dem Gebiet der orientalischen Numismatik gearbeitet,
bevor er sich anderen Historischen Hilfswissenschaften in der Orientalistik zuwendete,
wie der Paläografie, die er an der Universität ebenfalls unterrichtete. Die historischen
Vorlesungen Karabačeks konzentrierten sich auf die Geschichte der islamischen Frühzeit
bis hin zum Ende des Kalifats durch die mongolischen Eroberungen. Einen besonderen
Schwerpunkt legte Karabaček auf Staatsordnungen in der islamischen Geschichte27. In
den 1880er-Jahren kam auf seine wesentliche Vermittlung die Sammlung der Papyri Erz-
22 Zu ihm Gabriele Mauthe, Die Direktion Josef Karabaček an der k. k. Hofbibliothek in Wien (1899–1917)
(Wien, phil. Diss. 2000) mit Literatur ; Hans L. Gottschalk, Art. „Karabaček, Joseph Ritter von“, in :
NDB 11 (1977) 140 ; Art. „Karabaček Joseph von“, in : ÖBL 3 (Wien 1965) 228f.
23 Zu ihm E. Gottschalk, Art. „Müller David Heinrich von“, in : ÖBL 6 (Wien 1975) 410f.; Stephan Pro-
cházka, Art. „Müller, David Heinrich von“, NDB 18, 354f.
24 UAW, PA Grohmann, fol. 07.
25 UAW, Phil.Rig.Akten PN 3216.
26 Siehe dazu sehr ausführlich Mauthe, Direktion (wie Anm. 22).
27 Etwa las er im SS 1908 „Die historische Chronologie der muhammedanischen Völker“ (Vorlesungsverzeichnis
der Universität Wien SS 1908, 54) und im WS 1908/09 „System der muhammedanischen Dynastien mit
besonderer Beziehung auf die Staatsaltertümer“ (Vorlesungsverzeichnis der Universität Wien WS 1908/09, 57.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien