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Adolf Grohmann (1887–1977) 387
den Mitteln der Stiftung Landau wurde Grohmann ab dem Mai 1913 mit monatlich
100 Kr. bezahlt37. Die Räumlichkeiten der Sammlung Glaser lagen in der Hofbibliothek
neben den der Papyrussammlung, und ein Kontakt mit dieser großen Sammlung war
schon deshalb nahezu unvermeidlich. Darüber hinaus hatte die Lehre von D. H. Müller,
Karabaček und Rudolf Geyer38 für Grohmann die Brücke zur späteren Nationalbibliothek
und der Papyrussammlung längst gelegt.
III.
1914 begleitete Grohmann eine Ausgrabungskampagne unter Ernst Sellin39 nach Syrien
und Palästina. Sellin hatte sich als Theologe und Archäologe einen Namen gemacht und
grub neben dem biblischen Jericho auch die antike Stadt Sichem aus. Die Reise war der
erste Kontakt Grohmanns mit dem realen Orient, dem Grohmann in der weiteren Folge
treu bleiben sollte. Bei dieser Gelegenheit reiste Grohmann auch nach Ägypten und be-
kam die Gelegenheit, den Grabungsbetrieb bei Gizeh kennenzulernen, der von dem in
Wien tätigen Ägyptologen Hermann Junker geleitet wurde40. Im Gegensatz zu vielen
seiner Kollegen bereiste Grohmann den Orient recht häufig für längere Aufenthalte und
kooperierte später mit ägyptischen Institutionen in seinem Fachgebiet. Neben einem viel-
fältigen Interesse für islamische Geschichte und Kunstgeschichte begann sich Grohmann
zunehmend mit arabischen Papyri zu beschäftigen. Grohmann schreibt in seinem Fest-
schriftbeitrag für Alois Musil41, dass er die Anregung zur näheren Beschäftigung mit Pa-
pyri von Musil selbst bekommen hatte, als er von seiner ersten Orientreise zurückgekehrt
37 Diese Zahlung wurde erst im Dezember 1917 auf Betreiben Karabačeks eingestellt. AÖAW Hilfskontobuch
1914–1925, 192 und 205 (freundl. Hinweis von Dr. Stefan Sienell).
38 Zu ihm vgl. Nikolaus Rhodokanakis, Nachr. „Rudolf Geyer“, in : Almanach der ÖAW 80 (1930) 193–
200 ; F. Lochner von Hüttenbach, Art. „Geyer Rudolf“, in : ÖBL 1, (Wien 1957) 434f.
39 Zu ihm vgl. Georg Sauer, Art. „Sellin, Ernst Franz Max“, in : Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexi-
kon 9 (Herzberg 1995) Sp. 1370–1372.
40 Adolf Grohmann, Nachruf „Hermann Junker“, in : Almanach der ÖAW 112 (1962) 341. Zu Junker vgl.
Gertrud Thausing, Art. „Junker, Hermann“, in : NDB 10 (1974) 692f.
41 Tschechischer Orientalist, Forschungsreisender und Ethnograf, zu ihm Karl Johannes Bauer, Alois Musil.
Wahrheitssucher in der Wüste (Perspektiven der Wissenschaftsgeschichte 5, Wien 1989). Detailreich, aber
monarchistisch-tendenziös ist das Buch von Erich Feigl, Musil von Arabien. Vorkämpfer der islamischen
Welt (Wien 1985). Dass das Verhältnis zwischen Musil und Grohmann als einem Schüler von Karabaček und
Müller fremd blieb, ist neben Musils schroffer Persönlichkeit auch dem für Musil sehr kränkenden Umstand
geschuldet, dass sowohl Müller als auch Karabaček seine bedeutenden Entdeckungen in Syrien zunächst nicht
glaubten und erst durch eine Bilddokumentation umgestimmt werden konnten. Daher ist vielleicht auch
Grohmanns Nachruf auf Musil persönlich etwas zurückhaltend geraten : Adolf Grohmann, Nachruf „Alois
Musil“, in : Almanach der ÖAW 94 (1944) 232–251.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien