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388 Sibylle Wentker
war42. Dies scheint jedoch eher eine höfliche Geste gegenüber dem Gefeierten gewesen zu
sein und ist nicht sehr wahrscheinlich, denn Karabaček dürfte in seinen Vorlesungen das
Interesse an Papyri hinlänglich geweckt haben. Auch wenn wir den genauen Zeitpunkt
nicht ansetzen können, so darf man doch davon ausgehen, dass Grohmann sich seit seiner
Promotion immer stärker mit Papyri beschäftigte.
Da er nach seinem Studium nicht gleich eine Stelle an der Universität fand und seine
Bezahlung an der Sammlung Glaser nicht ausreichte, musste Grohmann an der k. u. k.
Öffentlichen Lehranstalt für Orientalische Sprachen Arabischstunden geben43. Daneben
arbeitete Grohmann wissenschaftlich, so dass er sich 1915 habilitieren konnte. Der Be-
richt der Kommission vom 11. Dezember 1915 befürwortet die Ernennung zum Pri-
vatdozenten unter der Venia „Sprach- und Altertumskunde des Vorderen Orients“. Die
zusätzliche Spezialisierung mit besonderer Berücksichtigung des südsemitischen Zweiges (ara-
bische, südarabische und abessinische Gruppe), die Grohmann sich in seinem Antrag ge-
wünscht hatte, gewährte die Kommission nicht, womöglich war sie ihr zu eng gefasst44.
Das Vorlesungsprogramm, das Grohmann in seinem Antrag auf Habilitation in Aussicht
stellte, zeigt die fachliche Ausrichtung Grohmanns : 1. Südsemitische Epigraphik, Sabä-
isch-minäisch, altäthiopisch. 2. Einführung in die äthiopische Kirchenpoesie. 3. Mehri-Texte.
4.
Vergleichende Lektüre arabischer, äthiopischer und koptischer Texte. 5. Einführung ins Ara-
bische und Neuarabische (mit Sprechübungen). 6. Islamkundliche Themen. 7. Einführung in
die Altorientalische Archäologie. 8. Kolonial- und Kolonisationsfragen im Vorderen Orient.
9. Zusammenfassende Kollegien und Übungen45. Grohmann war zur Zeit seiner Habilita-
tion noch eindeutig philologisch geprägt, mit einem starken Akzent auf dem Gebiet der
Südsemitistik, wie er sie durch seine Studien bei D. H. Müller kennengelernt und durch
seine intensive Arbeit an den Notizbüchern der Sammlung Glaser vertieft hatte.
Die Publikationen Grohmanns reflektieren dieses Interesse ebenfalls46. Von den acht
Publikationen, die Grohmann als Liste seinem Habilitationsantrag beilegte, waren allein
42 Adolf Grohmann, Arabische Papyri aus der Sammlung C. Wessely im Orientalní ústav in Prag, in : Archív
Orientalní 10 (1938) 149.
43 Gottschalk, Grohmann (wie Anm. 11). Ab 1867 wurden sogenannte „externe Kurse“ der damaligen
k. u. k. Orientalischen Akademie für einen öffentlichen Unterricht in Arabisch, Persisch und Türkisch aus-
gelagert, die mit der Zeit den Charakter eines zweijährigen Lehrganges bekamen. Öffentliche Lehranstalt für
Orientalische Sprachen, Wien IX, Boltzmanng. 16 (im Gebäude der Konsularakademie) (Wien 1935) 3–5.
44 UAW, PA Grohmann, fol. 18f.
45 Ebd. fol. 08.
46 Schriftverzeichnisse Grohmanns in : Gottschalk, Grohmann (wie Anm. 11), seine deutschsprachigen
Schriften in : Bibliographie der deutschsprachigen Arabistik und Islamkunde 14, hg. v. Fuat Sezgin (Veröff.
des Institutes für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften A 3, Frankfurt/M. 1992) 160–166.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien