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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 397 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Adolf Grohmann (1887–1977) 397 Material keine eindeutigen Schlüsse über Grohmanns Haltung zu den Nationalsozialisten und der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei. Bestimmte Planungen und eine Reise Grohmanns im Oktober 1935 nach Berlin, wo er im Rahmen von Kontakten zur NOFG um reichsdeutsche Unterstützung für die Dozenten und Professoren der Deutschen Uni- versität ansuchte, zeigen, dass er keine Berührungsängste mit dem nationalsozialistischen Deutschland besaß ; und fest steht auch, dass Grohmann der NSDAP mit Wirkung vom 1. Dezember 1938 beitrat und dass er weiters Mitglied der Deutschen Dozentenschaft, des Deutschen Kulturverbands, des Bundes der Deutschen und des NSKK war96. Der Parteieintritt Grohmanns erfolgte jedenfalls zu einem späten Zeitpunkt. Die deutschen Professoren wollten fast durchgehend der NSDAP beitreten, jedoch wurde jeder Antrag einzeln geprüft, auch wenn zuvor eine Mitgliedschaft der Sudetendeutschen Partei (SdP) vorgelegen hatte. Funktionäre und Mitglieder der SdP, die vor dem 15. März 1938 die Mitgliedschaft besessen hatten, wurden aber bevorzugt. Insgesamt zwölf Lehrende traten mit dem 1. Dezember 1938 der Partei bei und besaßen dadurch ein geringeres Ansehen, da man sie durchwegs für Opportunisten hielt, die aus Karrieregründen eine Parteimit- gliedschaft angestrebt hatten97. Unklar bleiben muss an dieser Stelle, ob Grohmann mehr als indirekt an der Schaffung des sogenannten „Jüdischen Zentralmuseums“ beteiligt war98. An diesem gespenstisch anmutenden Unternehmen, wo jüdische Wissenschaftler aus den Verlassenschaften der deportierten und vernichteten jüdischen Gemeinden aus Böhmen und Mähren ein Mu- seum errichteten, das das Judentum nach seiner angestrebten vollständigen Vernichtung in gleichsam ethnografischer Weise dokumentieren sollte, hatte Grohmann vermutlich keinen gestalterischen Anteil, aber er las ab dem SS 1939 gemeinsam mit dem Privatdo- zenten Karl Jahn99 eine Vorlesung über „Die geschichtlichen Grundlagen der Judenfrage“ bzw. über „Die rassischen und geschichtlichen Grundlagen der Judenfrage“100. Dirk Rup- now muss offen lassen, wie Grohmanns Verbindung zur SS war, allerdings befand sich das Orientalische Seminar teilweise in dem Gebäude der SS-Standortkommandantur und Grohmann hatte nachweislich auch Kontakt mit der SS. Das Seminar wurde wie andere 96 Zu 1935 siehe Ota Konrád, Dějepisectví, germanistika a slavistika na Německé univerzitě v  Praze 1918– 1945 [Geschichtsschreibung, Germanistik und Slavistik an der Deutschen Universität in Prag 1918–1945] (Praha 2011) 85. Die Mitgliedschaften bei Mišková, (Karls-)Universität (wie Anm. 62) 300. Grohmanns Mitgliedsnummer lautete 6652055. 97 Ebd. 268. 98 Dazu ausführlich : Jan Björn Potthast, Das jüdische Zentralmuseum der SS in Prag : Gegnerforschung und Völkermord im Nationalsozialismus (Berlin 2002) ; Dirk Rupnow, Täter – Gedächtnis – Opfer. Das „Jüdische Zentralmuseum“ in Prag 1942–1945 (Wien 2000). 99 Zu ihm vgl. J. T. P. de Bruijn, Art. „Jahn, Karl Emil Oskar“, in : Encyclopaedia Iranica, 14 (New York 2008) 391f. 100 Rupnow, Täter (wie Anm. 98) 150, bes. Anm. 424.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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