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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 399 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Adolf Grohmann (1887–1977) 399 Da Schaade und Rathjens glaubten, dass Klein nach Theresienstadt gebracht worden war, wandten sie sich an den Ordinarius für Semitistik in Prag, Adolf Grohmann, um Hilfe. Als Rathjens zum zweiten Mal an Grohmann schrieb, ob er so freundlich sein könne, sich nach Kleins Verbleib zu erkundigen, um sie weiter in dem Wörterbuchprojekt von Hans Wehr beteiligen zu können, beschied ihm Grohmann eine abweisende Antwort : „Grohmann ant- wortet mit einer ‚Heil Hitler‘ grüßenden Postkarte vom 25. 12. 1942 (Poststempel 25. 11. 1942) halbherzig und teilt mit, daß er Nachricht geben wolle, wenn er etwas erfahren habe. Er fügt hinzu : ‚Ich glaube aber nicht, dass eine weitere Mitarbeit der Genannten in Frage kommt, schon aus Prestigegründen.‘“106 Ob Grohmann tatsächlich etwas für Hedwig Klein hätte tun können, ist ungewiss, seine Verweigerung, dies zu tun, ist jedoch bezeichnend für seine sonst nicht ausgesprochene politische Haltung. Es blieb nicht nur bei passivem Einverständnis für das Regime, Grohmann wurde auch aktiv für das NS-Regime tätig. 1940 und 1941 ließ Grohmann sich offenbar ohne großen Widerstand in die Requisition von jü- dischen Buchbeständen involvieren.107 Bereits am 16. Mai 1940 besuchte er gemeinsam mit der Gestapo die jüdische Kultusgemeinde in Prag, wobei 20.000 Bände requiriert wurden, darunter auch einige Handschriften. Die Bücher wurden in der Ortskommandantur der SS untergebracht und vom Dozenten für Iranistik Karl Jahn, der an der Universitätsbibliothek arbeitete, geordnet108. In einem Bericht an den Rektor der Universität, Wilhelm Saure109, in dem er darüber hinaus eifrig auf weitere Möglichkeiten der Requisition hinwies, schrieb Grohmann am 25. März 1941 über den Bücherraub an der Kultusgemeinde in Mährisch- Ostrau : Auftragsgemäß habe ich meine zur Besichtigung der Bibliothek der jüdischen Kultus- gemeinde in Mährisch-Ostrau bestimmte Dienstreise am Sonntag, 16. März, angetreten und am Dienstag nachts beendet. Die in einem Lager aufgestellte Bücherei umfaßt 4800 Bände, und zwar Hebraica, Judaica, englische und romanistische Literatur sowie Belletristik. Die Hebraica und Judaica habe ich an Hand eines Verzeichnisses und nach Besichtigung zur Gänze übernom- men, ebenso die Judaica. Aus der englischen, französischen und Werken der deutschen Literatur habe ich das Brauchbare und gut Erhaltene ausgewählt, u.zw. für das deutsche und romanische Seminar unserer Universität, und eine Gesamtkonsignation aller zu übernehmenden Werke auf- gestellt ; auf Grund dieser soll dann der Abtransport nach Prag erfolgen. Es wird sich hiebei um etwa 3000 Bücher handeln. Unter diesen befinden sich viele Werke, die nur schwer zu haben 106 Freimark, Promotion (wie Anm. 102) 857. Ellinger, Orientalistik (wie Anm. 6) 68–70. Damit unter- schied sich Grohmann etwa von Harold Steinacker, der sich mit einem Brief für (den ihm gut bekannten) Arthur Stein einsetzte, siehe den Beitrag von Klaus Wachtel in diesem Band. 107 Ellinger, Orientalistik (wie Anm. 6) 163. 108 Mišková, (Karls-)Universität (wie Anm. 62) 122. 109 Zu ihm vgl. Michael Grüttner, Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 6, Heidelberg 2004) 145f.; Miškova, (Karls-)Uni- versität (wie Anm. 62) 96–149 und 315.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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