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404 Sibylle Wentker
VIII.
Die heute Cairo University genannte Hochschule war 1908 als private Universität gegrün-
det worden und 1925 bereits verstaatlicht worden. Trotz der Berufung nach Kairo hielt
Grohmann an der Idee zumindest einer Gastprofessur in Innsbruck fest. Ab 1950 unter-
richtete er dort, kam jedoch bald mit seinem Lehrauftrag in Kairo in Konflikt, weshalb
er für die WS 1950/51 und 1951/52 um Karenz ohne Bezüge bat124. Grohmanns gute
Verbindungen nach Kairo ermöglichten auch die Anstellung des ägyptischen Professors
Murad Kamil für ein Gastsemester an der Universität Innsbruck125. Kamil teilte nahezu
alle seine Forschungsinteressen mit denen Grohmanns und publizierte im Anschluss an
seine Tätigkeit in Österreich und in Deutschland126. Grohmann hatte bereits in Prag
arabischen Gelehrten die Möglichkeit vermittelt, als Gastprofessoren bzw. Assistenten im
Ausland zu arbeiten. 1954 erhielt Grohmann in Innsbruck einen siebenstündigen Lehr-
auftrag für jedes SS ab 1955 im Themenbereich „Semitistik mit besonderer Berücksichti-
gung der arabischen Paläografie127. Als Grohmanns Lehrauftrag an der Cairo University
auslief, beantragte man vonseiten der Fakultät einen siebenstündigen Lehrauftrag für je-
des Semester unter der Bezeichnung Arabisch und Korankunde. Bereits 1949 hatte Groh-
mann in seinen Anträgen für die Erteilung eines Lehrauftrages bekanntgegeben, welche
Lehrveranstaltungen er zu halten beabsichtige : Auf dem Gebiet der reinen Philologie
wollte er Einführungen in das Hebräische, Arabische, Äthiopische bieten, hinzu kamen
Spezialvorlesungen über arabische Syntax, das Neuarabische sowie Einführungen in die
arabische und äthiopische Literaturgeschichte. In das Gebiet der klassischen Historischen
Hilfswissenschaften lassen sich Grohmanns Vorlesungen über semitische Epigrafik, arabi-
sche Paläografie, Numismatik und Sphragistik sowie arabische Diplomatik und islamische
Chronologie einordnen. Darüber hinaus las Grohmann auch über arabische Geschichte
und Kunstgeschichte, wobei einzuschränken ist, dass er diese nur bis zum Sturz des Ab-
basidenkalifats 1258 führte, dies durchaus im Geist der Zeit, der die arabische Geschichte
mit dem Mongoleneinfall des 13. Jahrhunderts enden ließ und die folgenden Jahrhun-
derte als durch Türken und Perser verfremdet betrachtete. Zu den historischen Vorlesun-
gen traten eine ganze Reihe von Übungen zu vergleichender Textlektüre in verschiedenen
Sprachen128. 1962 erlosch Grohmanns Lehrbefugnis an der Universität Innsbruck, weil
124 UAI, PA Grohmann, Schreiben vom 02.07.1950 und 30.08.1951.
125 Ebd. Schreiben vom 19.01.1952.
126 Murad Kamil, Amharische Kaiserlieder (Wiesbaden 1957) ; ders., Aspects de l’Égypte copte (Berlin 1965) ;
ders., Catalogue of all manuscripts in the Monastery of St. Catherine on Mount Sinai (Wiesbaden 1970),
um nur einige zu nennen.
127 UAI, PA Grohmann, 29.11.1954.
128 Ebd. Verzeichnis der Vorlesungen, um 1949.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien