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Adolf Grohmann (1887–1977) 407
Grohmanns Werk einig waren, so stieß die Beliebigkeit des Materials auf gewisse Kri-
tik142. Auch konnte Grohmann nicht sein gesamtes Material verwenden. Der erste Teil der
Arabischen Paläographie ist vor allem kulturgeschichtlich interessant, weil er eine genaue
Analyse der Behandlung der arabischen Schrift im arabischen Schrifttum vornimmt. Der
größere Teil nimmt die Behandlung der Frage nach den Beschreibstoffen, den Schreib-
stoffen usw. ein, was überhaupt erst eine Einleitung zur eigentlichen Schriftgeschichte
darstellte. Im zweiten Band beleuchtete Grohmann, durch immerhin 269 Abbildungen
und 66 Tafeln unterstützt, die Entwicklung der Inschriften-Paläografie. Das Hauptge-
wicht lag jedoch auf der Kūfī-Schrift, die Schriften Nashī und Tulut wurden auf wenigen
Seiten abgehandelt. Die Buchschrift wurde einem dritten Band vorbehalten, den Groh-
mann nur noch zu einem kleinen Teil bearbeiten konnte, da er am 21. September 1977
im Alter von 90 Jahren starb. Seine Frau Maria war bereits am 5. April 1970 gestorben,
von ihm betrauert als die Gefährtin, die über nahezu 50 Jahre jedes seiner Manuskripte
gelesen hatte143. Mit der Tochter Irmelin wurde die Überlassung des wissenschaftlichen
Nachlasses Grohmanns an die Österreichische Akademie der Wissenschaften vereinbart,
bis auf die Dubletten aus der Bibliothek Grohmanns, die an die Tochter in die Schweiz
überstellt wurden144.
Der dritte Band der Arabischen Paläographie, der sich nunmehr mit der Buchschrift
befassen sollte, blieb unvollendet. Hans Gottschalk berichtete als Obmann der Arabi-
schen Kommission, dass das 88 Seiten umfassende Manuskript samt den Abbildungen in
dieser Form nicht für eine Drucklegung geeignet sei und in der Bibliothek der Akademie
verwahrt bleiben sollte145. 1981 wandte sich die deutsche Orientalistin Annemarie Schim-
mel146 an den Generalsekretär der ÖAW, Manfred Mayrhofer. Sie habe sich die Materialen
des dritten Bandes der Arabischen Paläographie bei der Tochter in der Schweiz abgeholt
und wolle daraus ein „schönes Buch“ machen147. Skeptisch äußerte sich zu diesem Vorha-
ben Raif Khoury, ein deutscher Papyrologe, der den unfertigen dritten Teil der Paläografie
nur in die Hände von einschlägigen Experten legen wollte148. Nachdem kein auswärtiger
Mitarbeiter dafür finanziert werden konnte, unterblieb das Unternehmen der Herausgabe
des dritten Bandes der Arabischen Paläographie schließlich.
142 So z.B., Simon Digby, in : Bulletin of the School of Oriental and African Studies 37,2 (1974) 524.
143 Grohmann, Arabische Paläographie 2 (wie Anm. 139), Frontispiz und Vorwort.
144 AÖAW, Benutzermappe Bestand Grohmann, Schreiben vom 27.04.1979.
145 Ebd. Schreiben vom 16.01.1978.
146 Der Schwerpunkt ihrer Forschung befand sich auf dem Gebiet der arabisch-indo-persischen mystischen
Dichtung und nicht auf dem Gebiet der Historischen Hilfswissenschaften.
147 AÖAW, phil.-hist. Klasse, PA Grohmann, Schreiben vom 21.09.1981.
148 Ebd. Schreiben vom 25.08.1980.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien