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414 Alena Janatková
wicklung von den Herausgebern Swoboda und Wilde bezeichnet worden waren13. Bezog
sich Swobodas Freude über die 1946 erfolgte Berufung an die Wiener Universität als
Nachfolger Max Dvořáks – so die Selbstpositionierung, tatsächlich handelte es sich um
die Nachfolge des wegen seiner politischen Vergangenheit emeritierten Hans Seldmayr14
– auf eine ideelle Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeiten seines Lehrers Dvořák ?
Nachfolgende Ausführungen betreffen einen sehr fern von Dvořák auszumachenden Wer-
degang des Kunsthistorikers Swoboda, der auch von der Gründung der Südostdeutschen
Forschungsgemeinschaft (SODFG) am 17. Oktober 1931 in Wien tangiert wurde. Sie
sind unter anderem als ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte der Kunsthistoriografie
im Nationalsozialismus intendiert, indem die fachlichen Diskurse aus der Perspektive öf-
fentlicher Wissenschaftsstrategien von Handelnden in komplexen Situationen betrachtet
und die Genese und Funktion wissenschaftlicher Konzeptionen im konkreten Praxisfeld
beurteilt werden15.
I. Kunstgeschichte im Dienst der Volksdeutschen
Forschungsgemeinschaften
Swoboda, der 1889 in Prag als ältester Sohn des östereichischen Staatsbeamten und ge-
bürtigen Leitmeritzers Karl Maria Swoboda und seiner Ehefrau Berta geboren wurde,
wuchs in einem deutschnationalen Elternhaus auf, wobei die Familie jedoch väterlicher-
seits tschechischer Herkunft war. Diese familiäre Situation sollte Anfang der 1930er-Jahre
in einen persönlichen Konflikt münden, der mit dem Scheitern seiner 1913 geschlossenen
Ehe mit der evangelisch getauften Jüdin Kamilla Rabl einherging, deren Leben nach der
Scheidung später im KZ Theresienstadt sein bitteres Ende fand. Der Schulzeit am deut-
schen Staatsgymnasium folgten 1909 Studien der Kunstgeschichte an der Deutschen Uni-
versität in Prag, die von Swoboda, der im Übrigen die tschechische Sprache beherrschte,
nach dem Umzug seiner Familie noch 1909 in Graz und schließlich 1909/10 in Wien
fortgesetzt wurden. In Graz lernte er auch Josef Strzygowski kennen, der dort 1892 den
Lehrstuhl für Kunstgeschichte begründet hatte und 1909 zum Leiter des I. Kunsthisto-
13 „Es geht also hier darum, von einer gefestigten Basis aus die Forderung nach Einordnung der Kunstgeschichte in
eine allgemeine Geistesgeschichte neu zu erfüllen […]“ Karl Maria Swoboda, Neue Aufgaben der Kunstgeschichte
(Brünn/Prag/Leipzig/Wien 1935) 11–23, hier 21. Swoboda habe das geistige Erbe dieses Lehrers stets hochgehal-
ten, folgert Benesch, Swobodas Stellung (wie Anm. 5) 6, unter Verweis auf die zitierte Stelle aus „Neue Aufgaben
der Kunstgeschichte“. Zu Max Dvořák vgl. den Beitrag von Hans H. Aurenhammer in diesem Band.
14 Siehe Aurenhammer, Sedlmayr (wie Anm. 2).
15 Vgl. Jutta Held, Zur Kunsthistoriographie der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus, in : Kunstgeschichte
an den Universitäten (wie Anm. 2) 9–15.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien