Page - 420 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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420 Alena Janatková
mund Wilhelm Braun48, in Swobodas Briefen an Antonín Matějček dokumentiert49. Das
Prozedere sah im ersten Schritt des Berufungsverfahrens einen Vorschlag der Fakultät
vor, der in einem zweiten Schritt der Bestätigung der tschechoslowakischen Regierung
bedurfte. In der Fakultät war sich Swoboda der Unterstützung „unseres“ Historikers und
besten Beraters und Förderers in der Prager Sache, Hans Hirsch, gewiss50. Der Direktor
des IÖG Hirsch bildete zusammen mit dem Volkskundler Viktor Geramb, dem Geogra-
fen Fritz Machatschek und Hassinger als Vorsitzendem den vierköpfigen Vorstand der
SODFG, in deren Arbeitsausschuss Swoboda mitwirkte. Im Schulministerium benö-
tigte Swoboda zudem der Fürsprache seiner tschechischen Kunsthistoriker-Kollegen aus
der Wiener Zeit, der Dvořák-Schüler, die für ihn beim Sektionsleiter im Kulturbereich,
Zdeněk Wirth, eintraten51. Dieser Fürsprache wusste sich Swoboda auch unter Hinweis
auf die gemeinsame Interessenlage der „aus dem alten Österreich und der Tschechoslo-
wakei“ Stammenden gegenüber den an Übergewicht gewinnenden „Reichsdeutschen“ an
der Prager Deutschen Universität zu vergewissern. Die reichsdeutschen Herren der Fakultät
werden sich für ihre Kandidaten auch in diesem Fall mit allem Gewicht einsetzen und es
wird gewiß des größten Nachdrucks bedürfen, wenn ich als erster gefragt werden soll, was
nach der ganzen Sachlage und aus den genannten Gründen so wichtig wäre. Ich bitte Sie,
48 Zu ihm siehe ebd. 136f. Gemäß Swobodas brieflichen Hinweisen wurde die Suppleantur Dir. Brauns von
tschechischer wie von Wiener Seite mit Unbehagen verfolgt, weil angeblich gewisse maßgebliche Personen die
Suppleantur als definitive Lösung ansahen. Swoboda an Matějček, Wien, 14.01.31. ANG (wie Anm. 3).
49 Antonín Matějček (1889–1950) hatte Kunstgeschichte an der Tschechischen Universität in Prag studiert, bei
Max Dvořák in Wien promoviert und war dort seit 1912 in der Zentralkommission für Denkmalschutz tä-
tig ; nach 1918 war er Professor für Kunstgeschichte an der Kunstgewerbeschule in Prag, 1920 lehrte er an
der Akademie der bildenden Künste in Prag, 1926 war er Dozent, 1927 außerordentlicher Professor und
seit 1930 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Karlsuniversität in Prag, 1949 Leiter der Kunstabteilung
im Schulministerium. Zu ihm siehe Luboš Hlaváček, Antonín Matějček a jeho škola [Antonín Matějček
und seine Schule], in : Kapitoly z českého dějepisu umění [Kapitel aus der tschechischen Kunstgeschichte]
2, hg. v. Rudolf Chadraba, Josef Krása, Rostislav Švácha, Anděla Horová (Praha 1987) 152–160. Zu
Swobodas Berufungsverfahren Ota Konrád, Dějepisectví, germanistika a slavistika na Německé univerzitě
v Praze 1918–1945 [Geschichtsschreibung, Germanistik und Slavistik an der Deutschen Universität in Prag
1918–1945] (Praha 2011) 51f., und zuletzt Alena Janatková, Die Berufung von Karl Maria Swoboda an
das Kunsthistorische Institut der Prager Deutschen Universität. Konferenzakten „Aufbruch und Krise. Das
östliche Europa und die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg“, Oldenburg (Bundesinstitut für Kultur und
Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 09.–11. März 2009).
50 Swoboda an Matějček, Wien, 05.11.1931. ANG (wie Anm. 3). Zu Hirsch, der 1918–1926 in Prag als Or-
dinarius wirkte, siehe Andreas Zajic, Hans Hirsch (1878–1940). Historiker und Wissenschaftsorganisator
zwischen Urkunden- und Volkstumsforschung, in : Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und
Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts, hg.
v. Karel Hruza (Wien/Köln/Weimar 2008) 307–417.
51 Swoboda an Matějček, Wien, 05.11.1931. ANG (wie Anm. 3). Zu Wirth siehe Vlasta Dvořáková, Zdeněk
Wirth, in : Kapitoly z českého dějepisu umění 2 (wie Anm.49) 126–138.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien