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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 426 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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426 Alena Janatková Entfaltungsbedürfnissen, die gesteigerte Verantwortung des an der Wissenschaft Teilha- benden für die sich daraus ergebenden Verpflichtungen“ und moderne Systematisierung der Kunstgeschichte bedeuteten auch die kontrollierte Vereinheitlichung der Werteskala und deren mediale Vervielfältigung68. Wenn es hieß, für die Kunstgeschichte „ihren an- gestammten und natürlichen Platz im kulturellen Leben zurückgewinnen“69, so ging es doch um deren neuartigen Stellenwert in der Kulturpolitik. Die ideelle Orientierung hin auf Neuordnung der Museen und neue Zielsetzungen des Sammelwesens war bereits Vor- zeichen von späteren Umstrukturierungen der kunsthistorischen Praxis an den staatlich verwalteten Kultureinrichtungen im Protektorat Böhmen und Mähren. Während seiner Prager Lehrtätigkeit durchschritt Swoboda die Kunstgeschichte nach Stilepochen, die von Überblicksdarstellungen zu den „Sudetenländern“ und von national akzentuierten Veranstaltungen („Die Kunst der neuen Nationen des Mittelalters/Roman- tik [sic]“, WS 1938/39 ; „Deutsche Kunst der Gotik“, SS 1939) begleitet wurden. Wäh- rend der brisanten Zeit 1938/39, der erzwungenen Abtretung der „sudetendeutschen“ Grenzgebiete an das Deutsche Reich und der Überführung der Tschechoslowakei von der „Ersten“ in die „Zweite“ Republik übte Swoboda die Funktion als Dekan der Philosophi- schen Fakultät der Deutschen Universität in Prag aus. Seine Funktionsausübung ist in der Zeit der Münchener Verhandlungen (16. 9.–17. 11. 1938) durch die Absenz zusammen mit anderen deutschen Professoren wie den Historikern Wilhelm Weizsäcker70, Heinz Zatschek71 und Gustav Pirchan72 markiert : Die „Flucht“ ins Reich war als Reaktion auf die seitens der tschechoslowakischen Regierung gestellte Forderung nach ihrer Unter- schrift unter eine Erklärung gegen Henleins Proklamation und der Erneuerung des Treue- gelübdes erfolgt. In Vorbereitung der späteren Übernahme der Deutschen Universität in die Reichsverwaltung wurde dann der Erlass des Rektorats über Abstammungsnachweis und Logenerklärung vom 12. August 1939 vom Dekan Swoboda nach acht Tagen weiter- geleitet73. Die Intensivierung der interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb der Fakul- 68 Ebd. 69 Ebd. 70 Zu ihm siehe Joachim Bahlcke, Wilhem Weizsäcker (1886–1961) Jurist. Rechtsgeschichte und Volksge- meinschaft, in : Prager Professoren (wie Anm. 2) 391–411 ; Hruza, Wissenschaftliches Rüstzeug (wie Anm. 53) 479–494. 71 Zu ihm siehe Karel Hruza, Heinz Zatschek (1901–1965). „Radikales Ordnungsdenken“ und „gründliche, zielgesteuerte Forschungsarbeit“, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 50) 677–792. 72 Zu Pirchan siehe den Beitrag von Stefan Lehr und Tomáš Borovský in diesem Band. 73 UAP, Deutsche Universität, Philosophische Fakultät, K. 95 (1938/39). Zum Konflikt mit der tschechoslowa- kischen Regierung siehe Alena Mišková, Die Deutsche Universität im Zweiten Weltkrieg, in : Universitäten in nationaler Konkurrenz. Zur Geschichte der Prager Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Hans Lemberg (Veröff. des Collegium Carolinum 86, München 2003) 177–193, hier 179. Die o.g. Professoren trafen sich in Wien in der sudetendeutschen Anmeldestelle.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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