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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 429 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 429 auf die „čechoslovakische“ Kunstgeschichte und die Methoden der Kunstgeografie integ- rierte die tschechischen Kollegen, womit Swoboda bezeichnenderweise anstelle der Kon- frontation die protektionistische Geste bediente86. In die politische Geschichte wurde die Kunst nach typologischen Gesichtspunkten eingebettet87. Mit der „deutsche[n] Koloni- sation des gesamten Ostraumes“88 wurden unter den „deutschen Sonderformen europä- ischer Kunst“ im 13. Jahrhundert die aus verschiedenen deutschen „Kunstlandschaften“ eingeführten Kunsttypen präsentiert89. Der kulturelle Aufstieg des „kolonisierten Ost- raumes“ im 14. Jahrhundert und die führende Rolle der „Sudetenländer“ innerhalb der Reichskunst wurden in der Konstellation des „deutschen Kaisers“ Karl IV. und des aus Schwäbisch Gmünd kommenden Peter Parler gleichsam versinnbildlicht90. Die Macht- verschiebung von Prag nach Südböhmen und Mähren nach 1400 wurde mit einer re- zeptiven Haltung gegenüber allen Wendungen der „deutschen Spätgotik“ identifiziert91. Aufgrund der skizzierten Abhängigkeiten der Kunst von der politischen Geschichte forderte Swoboda ein wissenschaftliches Denken in großen politischen Einheiten unter Berücksichtigung der kirchen- und wirtschaftsgeschichtlichen Bindungen, das Erklärun- gen der stilgeschichtlichen Prozesse sowie örtlichen und landschaftlichen Sonderbildun- gen biete und die Teilnahme unterschiedlicher Völker an den künstlerisch-historischen Prozessen des erneuten Hervorholens, Entfaltens, Umdeutens, Neudeutens, Zerdeutens in historisch-politischer Abhängigkeit sehe92. Mit ihrer Prägung durch „realhistorische Einheiten“ schwebte Swoboda letztlich eine Kunstgeschichte des durch seine „Grenzen Vác lav Vilém Štech die einheimische Kunst in ihrer Einzigartigkeit als Produkt von Künstlern unterschied- licher Nationen zur Repräsentantin des neuen Nationalstaates, siehe Václav Vilém Štech, Smysl země [Der Sinn des Bodens], in : Včera. Výbor článků z r. 1910–1920 [Gestern. Auswahl von Artikeln aus den Jahren 1910–1920] (Praha 1921) 232–245 ; vgl. Marek, Kunstgeschichte (wie Anm. 65) 83f. 86 Bei Aurenhammer, Institut nach 1945 (wie Anm. 2) 178, heißt es „die neue Ideologie des deutschen ‚Schutzes‘ für die Tschechen“. 87 Die Durchsetzung der sogenannten Reichskunst wurde im Zusammenhang mit dem „reichskirchlichen, dop- pelchörigen Kirchentypus“, mit Kloster Hirsau und dem basilikalen süddeutschen Grundrisstypus des 12. Jahr- hunderts dargestellt, siehe Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 210–213, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 12–15. 88 Adam Labuda, „… eine von sinnvollen Zweckgefühlen erfüllte, herbe und großartige Kolonialkunst …“ Zum kunsthistorischen Diskurs über Ostmitteleuropa, in : Zs. für Kunstgeschichte 56 (1993) 1–17. 89 Siehe Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 213–216, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 15–18. 90 Siehe Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 216–220, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 18–22. 91 Siehe Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 220–223, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 22–25. Die sogenannte „Spätgotik“ stellte eine national bedingte Stileinheit vor, die der französischen Gotik gegenübergestellt wurde, siehe Kurt Gerstenberg, Deutsche Sondergotik. Eine Untersuchung über das Wesen der deutschen Bau- kunst im späten Mittelalter (München 1913). 92 Bevorzugt waren die Epochen der kulturpolitischen Hochzeiten, die Kunst unter Karl IV. und zur Zeit der österreichischen Dominanz im Barock, siehe Swoboda, Anteil (wie Anm. 76) 223–227, und „Beiträge“ (wie Anm. 76) 25–31.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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