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448 Alena Janatková
Konsequenzen hatte der Bericht für Swoboda wegen der baldigen Kriegsniederlage der
Deutschen keine mehr.
Swobodas Aufbruch aus seinen Verwirrungen vom Anfang der 1930er-Jahre endete
1945 zwar im Gefängnis, dieser Aufenthalt sollte allerdings nicht von langer Dauer sein.
Wie Cibulka, der tschechische Direktor der Landesgalerie, sah sich Swoboda ebenfalls
genötigt, bei den Kunsthistorikerkollegen und den Mitgliedern der Ankaufskommission
Erklärungen einzuholen, dass er mit den Nationalsozialisten nicht zusammengearbeitet
habe186. In seinem Arbeitsbericht hat sich Cibulka ausführlich positiv über Swoboda
und dessen Verhältnis zur Galerie geäußert : Um die tschechische Direktion zu schützen
habe Swoboda, dem in Wien aufgrund seiner Ehe angeblich keinerlei Wirkungsmög-
lichkeiten offenstanden, die Graphische Sammlung gegründet und es somit überhaupt
erst ermöglicht, dass die Gemälde und Skulpturen weiterhin in tschechischer Verwal-
tung – allerdings unter seiner Aufsicht – verblieben187. Die großen Mengen an beschlag-
nahmtem Kulturgut, die von der Gestapo, der Schutzpolizei und aus den Lagern des
„Zentralamts für die endgültige Regelung der Judenfrage“ während des gesamten Krie-
ges in die Galerie strömten, lassen allerdings die Rolle Cibulkas zumindest zwiespältig
erscheinen188. Swobodas eigene Rolle war als Verwalter des reichseigenen Kunstbesit-
zes in der Ankaufskommission der Galerie wie in allen Prager Museen hingegen inso-
fern festgelegt, als er hier wie auch mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten eindeutig im
Dienst des „Dritten Reiches“ stand. Über Cibulkas positive Wertschätzung mag daher
die Interdependenz zwischen der Bescheinigung seiner eigenen Integrität mit jener von
Swoboda mitbestimmt haben. Mancher für Swoboda enthüllender Sachverhalt scheint
186 Canz, Swoboda (wie Anm. 2) 187 ; zu Cibulka siehe die Erklärung des Betriebsrates der Nationalgalerie vom
06.06.1945, gez. Josef Karda, Jaromír Pešina, Karel Steklý ; Erklärung Matějčeks vom 18.06.1945 ; Erklärung
der Ankaufskommission vom 18.06.1945, gez. Matějček, Wirth, Václav Butta, Jan Krčmář, Kamil Novotný.
Archiv Kunsthistorisches Institut, Josef Cibulka (wie Anm. 162).
187 Prof. Swoboda ist nie Mitglied der NSDAP gewesen. Weil er als Ehemann einer böhmischen Jüdin keine Professur
in Wien erhalten konnte, war er den tschechischen Fachleuten dafür dankbar, dass sie ihm zur Zeit der Ersten
Republik im Schulministerium gegenüber einem uns unwillkommenen deutschen Nationalsozialisten zum Pro-
fessorenlehrstuhl verhalfen. Anders als die übrigen Professoren der Deutschen Universität hatte er zur Zeit der
Ersten Republik regen Kontakt zu seinen tschechischen Kollegen. Daher wollte er den Unterzeichneten nicht des
Direktorenstuhls entledigen […] und er löste die Situation derart, dass er einen Teil der Galerie – die Graphik –
seiner deutschen Leitung unterstellte, um den anderen Teil der Galerie – die Gemälde und Skulpturen – in der
Verwaltung des Unterzeichneten zu belassen, allerdings unter deutscher Aufsicht. Josef Cibulka, Arbeitsbericht
(wie Anm. 162) (Übersetzung aus dem Tschechischen).
188 Viele jüdische Sammler und „Staatsfeinde“ ließen ihre Schätze zwar freiwillig in die Galerie deportieren, und
sie wurden auch nach dem Krieg in ihrem Vertrauen auf Rückerstattung nicht enttäuscht – sofern es aller-
dings überhaupt noch jemanden gab. Dennoch verlor gerade unter Cibulka die Herkunft eines Kunstwerks
in dem Moment, in dem es im Galerieverzeichnis aufgeführt wurde, an Bedeutung. Vlnas, Josef Cibulka
(wie Anm. 147) 170f.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien