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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 449 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 449 zudem in der nationalsozilistischen Bürokratie verdeckt geblieben zu sein. So dürfte Ci- bulka kaum realisiert haben, dass die von ihm vehement zurückgewiesene Kunstpräsen- tation der Landesgalerie im Sinne der Kulturbodenforschung gerade auf der Grundlage von Swobodas Gutachten durchgesetzt worden ist189. Da Swoboda gemäß der Meldung des Sicherheitsdienstes der SS vom März 1945 als judenfreundlich und oppositionell galt190, hatte sich für ihn schon am 16. Mai 1945 auch der Tschechische Nationalrat verbürgt191. Swobodas Dank für das uneingeschränkte Engagement seitens der tsche- chischen Kunsthistorikerkollegen in seiner Sache wurde im vertrauten Ton an Matějček mit dem Versprechen des eigenen Entgegenkommens verbunden : […] vergebens habe ich mich seit einer Woche bemüht Sie zu treffen, um Ihnen in meinem und auch im meiner Frau Namen innigst für unsere Befreiung zu danken, Ich war in diesen Tagen oft mit den Gedan- ken bei Ihnen, daß sich in Zeiten der Not die wahren Freunde bewähren. […] Ich habe auch an Sekt. Chef Wirth geschrieben, daß ich stets zum Schutze und zur Wiedererlangung in die čsl. Republik gehörenden Kunstgutes voll zur Verfügung stehe192. Als sich nach der Konstitu- ierung der Republik Österreich im April 1945 das IÖG schließlich in „der allerschwie- rigsten Lage“ befand193, da vom alten Lehrkörper aus politischen Gründen einzig Leo Santifaller verbleiben konnte, wurde Swoboda 1946, nunmehr Direktor des Kunsthisto- rischen Instituts, Mitglied des IÖG-Lehrkörpers194. Im Studienjahr 1954/55 amtierte er als Dekan seiner Fakultät, 1960 wurde er emeritiert. Die fortlaufende Beschäftigung mit biologistischen Konzepten, ethnologischen Schematismen und kultumorphologischen Schematisierungen ist allerdings in Swobodas Wiener Vorlesungen weiterhin nach 1946 dokumentiert195 ; die Wiedergabe solcher Konzepte wurde jedoch von seiner Schülerge- neration nicht mehr weitertradiert. 189 Zu Cibulkas Zurückweisung vgl. seine handschriftlichen Notizen anlässlich einer Begehung der Galerie am 11.12.1940 in Anwesenheit von Reinhold und Swoboda, der – wie Cibulka festhielt – sich in Schweigen hüllte. Josef Cibulka, In memoriam. Archiv des Kunsthistorischen Instituts, Cibulka (wie Anm. 162), zu Swobodas Gutachten vgl. Anm. 152. Die Anweisung zur Beschriftung der Kunstwerke erfolgte auf Umwegen vom Amt des Reichsprotektors (Sachbearbeiter Reinhold) über das Ministerium für Schulwesen und Volks- kultur. 190 Siehe Anm. 185 und Mišková, Deutsche Universität (wie Anm. 73) 191. 191 Zum Antrag des Tschechischen Nationalrats (Česká národní rada) und des Landesnationalausschusses in Böhmen (Zemský národní výbor v  Čechách) auf Enthaftung Swobodas vom 16.05.1946 vgl. die Kopie in : UAW, Dekanat, ZI 1191 ex 1944/45 : Ansuchen um die österreichische Staatsbürgerschaft Swobodas, Prag, 24.09.1945 ; siehe auch Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 51, Anm. 159. 192 Swoboda an Matějček, Prag 28.05.1945. ANG (wie Anm. 3). 193 So Lhotsky, Geschichte des Instituts (wie Anm. 8) 384. 194 Ebd. und Aurenhammer, Institut nach 1945 (wie Anm. 2) 174–177. 195 Siehe Aurenhammer, Zäsur (wie Anm. 2) 52.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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