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452 Johannes Holeschofsky
Srbik einen angeblich von jüngeren Historikern missverstandenen, verleumdeten „libe-
ralen Großdeutschen“3 oder auch österreichischen Patrioten4. Wer dagegen Srbiks Weg
zum Nationalsozialismus durch seinen Deutschnationalismus wie auch seine reaktionäre
Haltung5 vorherbestimmt sieht, der ordnet auch Hantsch, allenfalls in einer „österreichi-
scheren, antipreußischen Variante“6, Srbiks gesamtdeutscher Historikerschule zu.
Hat Hantsch sich je zur „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ im Sinne Srbiks und
Harold Steinackers bekannt und hat er sie geteilt ? Und stellen die Deutungen Srbiks
und Hantschs der Reichsidee nur zwei Kehrseiten derselben Medaille dar oder beruhen
Unterschiede – trotz manch gemeinsamer Begrifflichkeit und Feindbild – auf letztlich
verschiedenen Weltanschauungen ?
in : Transformationen gesellschaftlicher Erinnerung. Studien zur „Gedächtnisgeschichte“ der Zweiten Repu-
blik, hg. v. dems., Manfred Lechner, Dagmar C.G. Lorenz u.a. (Kultur 9, Wien 2005) 86–130, hier
99–102. Weiters zu Hantsch und seiner Reichsidee, die europäischen Aspekte von Hantschs Gedankengut
würdigend, Arno Strohmeyer, Österreichische Geschichte der Neuzeit als Raumgeschichte. Ein Versuch,
in : Was heißt „österreichische“ Geschichte ? Probleme, Perspektiven und Räume der Neuzeitforschung, hg. v.
dems., Martin Scheutz (Wiener Schriften zur Neuzeit 6, Wien 2008) 167–199, hier 176. Zu Hantsch, im
Kontext der „gesamtdeutschen Geschichtsschreibung“, doch mit einem Verweis auf Hantschs Rolle als Opfer
des NS-Regimes, Monika Glettler, Die Bewertung des Faktors Deutschland in der österreichischen Histo-
riografie, in : Ungleiche Partner ? Österreich und Deutschland in ihrer gegenseitigen Wahrnehmung. Histori-
sche Analysen und Vergleiche aus dem 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Michael Gehler, Rainer F. Schmidt,
Harm-Hinrich Brandt u.a. (Stuttgart 1996) 55–72, hier 69f.
3 Hamann, Nekrolog (wie Anm. 2) 331.
4 Fritz Fellner, Heinrich von Srbik – „Urenkelschüler Rankes“, in : ders., Geschichtsschreibung und nati-
onale Identität. Probleme und Leistungen der österreichischen Geschichtswissenschaft (Wien/Köln/Weimar
2002) 330–345, hier 343f. Den Anfang zur apologetischen Deutung Srbiks als „österreichischen Patrioten“
machte aber Hantsch selbst, der Srbik nach 1945 immer wieder in Schutz nahm. Vgl. StA Melk, NL HH, K.
7/61, Gutachten Hantschs über Srbik vom 19.12.1947. Hantsch bezieht sich ausdrücklich auf Srbiks Metter-
nich-Biografie, die er als „Beweis“ für Srbiks „österreichpatriotische“ Gesinnung anführt.
5 Günther Fellner, Österreichs Geschichtswissenschaften vom „Anschluß“ zum Wiederaufbau, in : Unter-
drückung und Emanzipation, hg. v. Rudolf G. Ardelt (FS für Erika Weinzierl zum 60. Geburtstag, Wien/
Salzburg 1985) 321–339, hier 338. Mit der „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ in ideologischem Zu-
sammenhang gesehen wird Hantsch auch in Anton Staudinger, Zur „Österreich“-Ideologie des Ständestaa-
tes. Vorgeschichte, Hintergründe und Folgen, in : Protokoll des Symposiums in Wien am 10. und 11.6.1976
(Wissenschaftliche Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kunschak-Preises zur
Erforschung der österreichischen Geschichte 1918–1938 4, Wien 1977) 198–240, hier 204–206.
6 Gernot Heiss, Im „Reich der Unbegreiflichkeiten“. Historiker als Konstrukteure Österreichs, in : ÖZG 7
(1996) 455–478, hier 467. Ferner ders., Von der gesamtdeutschen zur europäischen Perspektive ? Die mitt-
lere, neuere und österreichische Geschichte, sowie die Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität
Wien 1945–1955, in : Zukunft mit Altlasten. Die Universität Wien 1945–1955, hg. v. dems., Margarethe
Grandner, Oliver Rathkolb (Querschnitte 19, Wien 2005) 189–210, hier 206–209.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien